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  Siedlung in der Altmühlaue  
     
 

Eine bronzezeitliche Siedlung in der Altmühlaue

 

Der Talraum von Dietfurt a. d. Altmühl ist in den vergangenen Jahren intensiv archäologisch untersucht worden, 1997 und 1998 im Rahmen der Bauarbeiten an der neuen Umgehungsstraße. Siedlungen und Friedhöfe des Endneolithikums, der frühen Bronzezeit, der Urnenfelderzeit, Hallstattzeit und Latènezeit belegen eine hohe Siedlungsdichte in vorgeschichtlichen Perioden. Funde des frühen und ausgehenden Mittelalters sowie der Neuzeit sind in deutlich geringerem Umfang bekannt geworden. Die bauvorgreifenden Untersuchungen im Vorfeld des Baus des RMD-Kanals sowie im Zuge der Neutrassierung der Umgehungsstraße haben immer wieder gezeigt, dass hier stets mit Überraschungen zu rechnen ist. Die Ausgrabungen im Jahr 1999 bestätigten dies nachdrücklich.

Die Holzbaufirma Meilinger aus Riedenburg-Jachenhausen hatte im Industriegebiet am östlichen Ortsrand von Dietfurt in unmittelbarer Nähe zum neuen RMD-Kanal einen geeigneten Standort gefunden, um ihren Betrieb zu erweitern bzw. auszulagern. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und der Bauherr gingen zunächst noch davon aus, dass einige Sondagen genügen würden, da das Grundstück sich unmittelbar neben dem Kanal befand und auf den alten Flurkarten eine verfüllte Kiesgrube eingetragen war. Auch lagen aus den benachbarten Industrieflächen keinerlei Hinweise auf vorgeschichtliche Fundstellen vor. Es sollte sich also um eine reine Routineuntersuchung handeln, die mittels weniger Baggersondagen abgeschlossen werden könne, so die Vermutung. Bereits in den ersten Baggerschnitten zeichneten sich im anstehenden Sand diffuse Verfärbungen ab, die als vorgeschichtliche Siedlungsreste zu interpretieren waren. Die bisherigen Erfahrungen hatten mehrfach gezeigt, dass im Bereich der Altmühlaue einerseits exzeptionell gute Erhaltungsbedingungen für Hölzer vorlagen und dass andererseits Siedlungsreste unter mächtigen Auelehmschichten begraben lagen. Die zunächst noch spärlichen Erkenntnisse ließen deshalb eine flächige Untersuchung sinnvoll und notwendig erscheinen. Glücklicherweise akzeptierte der Bauherr die Forderungen des BLfD und erklärte sich bereit, die archäologischen Maßnahmen zu finanzieren.

Die Grabungsarbeiten begannen am 30.6.1999 und endeten am 28.7.1999. Im Verlauf dieser vier Wochen konnten etwa 10 000 m² mit 333 Objekten untersucht werden.

Die Fundstelle liegt in unmittelbarer Nähe zum modernen Rhein-Main-Donau-Kanal, im Überschwemmungsbereich der alten Altmühlaue.

Bei den 333 untersuchten Objekten handelt es sich fast ausschließlich um Pfostengruben, die sich im anstehenden gelblichgrauen Sand bzw. rötlichgelben Lehmsand mehr oder minder deutlich abzeichneten. Auch in den Profilen waren die Verfärbungen in der Regel relativ gut zu erkennen.

Der größte Teil der Fläche im Nordosten wird von einem alten Bachbett, einer Rinne o. ä. eingenommen, das sich etwa Nordost-Südwest erstreckte und mit unterschiedlichen Sedimenten verfüllt war. Im Geländeprofil an der Nordkante der Grabungsfläche ließ sich der Bachlauf deutlich erkennen. Die Verfüllung besteht aus schwarzem anmoorig-tonig bis torfig-tonigem Material, weißlichgrauem Alm sowie dunkelgrauen tonigen Partien. Insbesondere das anmoorig-tonige Sediment enthielt sehr viele Reste von Wurzeln und sonstigen Hölzern. Offensichtlich bildete der Wasserlauf die natürliche Grenze der Siedlung. Die Lage der vorgeschichtlichen Siedlung scheint nahezu ideal in einer Schleife oder Biegung eines Seitenarmes der Altmühl oder gar der Laber gewesen zu sein. Diese Lage bot den Bewohnern zumindest nach zwei Seiten Schutz. Dieser Aspekt dürfte für die Anlage der Siedlung wohl ausschlaggebend gewesen sein, auch wenn die Gefahr bestand, durch Hochwässer zeitweise nasse Füße zu bekommen. Der wasserdurchlässige sandige Untergrund dürfte dazu beigetragen haben, derartige Vorkommnisse zeitlich und auch räumlich zu begrenzen und somit dauerhaften Schäden innerhalb der Siedlung entgegenzuwirken.

Vereinzelt ließen sich Pfostenfluchten erkennen, eindeutige Hausgrundrisse hingegen waren nur zweimal nachweisbar. Die Grubenfüllungen enthielten nur in Ausnahmefällen Keramik, so dass die Datierung der Häuser und somit der gesamten Siedlung nur mit Vorbehalt möglich ist. Etliche Scherben aus einem Objekt sind wohl in die frühe bis mittlere Bronzezeit zu datieren. In einer Fläche waren in zwei flachen Senken noch Reste einer ehemaligen Humusschicht erhalten, die etliche Scherben lieferte, darunter urnenfelderzeitliche Randscherben.

 

             

 

Die Untersuchungen der Flächen in unmittelbarer Nähe zur Altmühl erbrachten wider Erwarten eine Fülle von neuen Informationen bezüglich der Besiedlungsgeschichte der Altmühlaue. Ausgehend von den Grabungen im Zuge der Umgehungsstraße ST 2230 konnte zunächst angenommen werden, dass im Überschwemmungsbereich der Altmühl nur in Ausnahmefällen mit Siedlungsspuren zu rechnen ist, die zudem wohl überwiegend unter meterdicken Auelehmschichten begraben sind. Insbesondere die Untersuchungen im Bereich des Kreisverkehrs der Industriestraße hatten gezeigt, dass nur wenige hundert Meter östlich der neuen Fundstelle Reste einer alten Bodenbildung von mächtigen Auelehmschichten versiegelt worden waren. Da die Baumaßnahmen nicht so tief in den Untergrund eingreifen sollten, stand eine Beeinträchtigung vorgeschichtlicher Bodendenkmäler nicht unmittelbar zu befürchten. Allerdings zeigten bereits die ersten Sondageschnitte, dass der geologische Untergrund erheblich von der Annahme abwich. Unter dem rezenten Humus war nur an einigen Stellen noch ein Rest der hier wesentlich geringer ausgeprägten Auelehmüberdeckung vorhanden. Darunter folgte Flusssand, wie er auch nördlich der Industriestraße vorgefunden worden war. Es muss davon ausgegangen werden, dass die geologische Gliederung des Untergrundes wesentlich kleinräumiger und vielgestaltiger ist als bisher angenommen. Dieser Umstand ist insofern bedeutsam, da auch für kommende Baumaßnahmen nicht generell davon ausgegangen werden kann, dass auch bei nur geringmächtigen Bodeneingriffen keine Zerstörung der archäologischen Substanz erfolgt.

 

Die Untersuchungen komplettieren die Besiedlungsgeschichte dieses Talraumes, da die bisher bestehende Lücke zwischen endneolithischen Gräberfeldern und urnenfelderzeitlichem Dorf durch eine Siedlung der frühen oder mittleren Bronzezeit teilweise geschlossen werden konnte.

 

 

nach Friedrich Loré M.A., wissenschaftlicher Grabungsleiter der Ausgrabungen Bauvorhaben Meilinger 1999, Industriestraße, Dietfurt a. d. Altmühl

Jahrsdorf, 10.8.1999

 
     
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