Örtlicher Befund zum Langhaus
Der Nachbau eines Langhauses durch den Verein ALCMONA basiert auf einer Ausgrabung von 1998 an der Staatsstraße 2230 am westlichen Ortsende von Dietfurt.
Dort konnte als Teil einer größeren Ansiedlung auch ein annähernd trapezförmiger Hausgrundriss freigelegt werden, von dem sich nur die unteren Teile der Wandgräbchen erhalten hatten. Die Verfärbung des südlichen Wandgräbchens war noch etwa 15 m, die der nördlichen Wand nur noch ca. 10 m lang.
Der westliche Gebäudeteil war modern gestört. Das Haus war an der östlichen Stirnseite 4,5 m breit und erweiterte sich kontinuierlich bis auf mindestens 6,5 m Breite. Da die Hauslänge nicht bekannt ist, lässt sich auch die exakte Breite nicht bestimmen.
Pfostengruben konnten bei der Ausgrabung nicht beobacht werden, so dass der Ausgräber Friedrich Loré einen Schwellbalkenbau vermutet, bei dem die Wand und Dach tragenden Hölzer in einen Rahmen eingepasst waren.
Aus statischen Gründen verzichtete der Verein ALCMONA bei der Rekonstruktion auf diese zimmermannstechnisch aufwändige Technik und entschied sich für den Nachbau eines Hauses mit in den Boden eingetieften Pfosten. Letztendlich muss offen bleiben, ob das trapezoide Gräbchen nicht nur den Traufgraben für eine Überdachung eines Pfostenbaus darstellt, von dem sich wegen der Erosion keine nachweisbaren Standspuren mehr erhalten haben.
Nach Befunden aus Zuchering-Süd, Lkr. Ingolstadt, aus dem Jahr 1991 lassen sich ähnliche Grundrisse trapezoider Gebäude belegen. Die Datierung des Dietfurter Gebäudegrundrisses ist äußerst problematisch. Vereinzelte wohl vorgeschichtliche Keramikscherben stammen aus den Gräbchen, leider lässt sich kein Fundstück unmittelbar datieren. Aus dem Innenbereich des Gebäudes stammen wenige Gruben mit Fließschlacken, die auf Eisenverarbeitung in diesem Bereich hinweisen.

Das Langhaus wurde ausschließlich mit Vereinsmitteln rekonstruiert und hat Ausmaße von etwa 8 x 20 m. Bei dieser Raumdimensionierung kommt nach zimmermannstechnischer Einschätzung nur ein aufsteigend verlaufender First in Frage. Die Höhe des Dachfirstes schwankt zwischen 7 und 5 m.
Viele Fragen bei der möglichst originalgetreuen Rekonstruktion bleiben zwangsläufig offen. Da sich bei den Befunden im Dietfurter Raum organische Materialien in der Regel nicht erhalten haben, lassen sich nur bedingt Aussagen zur Holzkonstruktion des Gebäudes machen. Schon die Frage nach der Wahl des Holzes ist nicht zu klären, wenngleich Harthölzer, wie z.B. Eiche, sicher bevorzugt worden sind.
Bei den zum Hausbau verwendeten Hölzern entschied man sich aus Kostengründen für Fichte und Kiefer. Die Seitenwände sind aus Weidenrutengeflecht aufgebaut und mit einem Lehm-Stroh-Gemisch verputzt. Beim Bau des Hauses wurden ausschließlich handgefertigte Holznägel verwendet, auf Eisennägel hat man vollständig verzichtet. Alle Knotenpunkte der geschälten Rundhölzer sind verplattet und Verzapfungen von Hand maßgefertigt, sämtliche Bauhölzer mussten deshalb mehrfach in die Hand genommen und entsprechend angepasst werden.
Nicht exakt nachweisbar ist die Rekonstruktion der Dachbedeckung. Neben Schilf kämen nur Stroh und Holz, vielleicht sogar Baumrinde und Rasensoden in Frage. Schilf ist in entsprechenden Mengen im Umfeld nicht vorhanden und Stroh ist in der Aufbereitung für eine regendichte Bedachung zu aufwändig, denn dann müsste jeder Halm einzeln vom Bast befreit werden, um Fäulnis und entsprechenden raschen Zerfall zu verhindern. Baumrinde verspricht kaum lange Haltbarkeit und Grassoden sind problematisch, weil sie sich bei Nässe und Schnee mit Wasser voll saugen und die Gewichtsbelastung damit temporär zu Problemen führen kann. So kamen für die Dachdeckung des Nachbaus nur Holzschindeln in Frage, die aus finanziellen und bearbeitungstechnischen Gründen aus frisch geschlagenen Fichtenstämmen hergestellt worden sind. Allein dafür mussten mindestens 9000 Holzschindeln mit einer Länge von ca. 1 m gespalten werden.
Wie es im Gebäudeinneren eines bronzezeitlichen Wohnhauses ausgesehen hat, lässt sich mangels archäologischer Funde bisher kaum belegen. So bleibt es ungewiss, ob man mit dem Vieh zumindest zeitweise gemeinsam unter einem Dach gelebt hat. Auch Fragen nach der Raumgestaltung und dem Mobiliar bleiben offen. Wichtige Detailfragen wie Rauchabzug (Kamin?) und Innenraumgliederung lassen sich nicht beantworten.
Ob bronzezeitliche Wohngebäude schon Fenster hatten, ist fraglich, da uns sowohl entsprechende Funde als auch bildliche Darstellungen fehlen. Um Licht ins Gebäudeinnere zu bringen, entschied man sich, für das ALCMONA-Haus in regelmäßigem Abstand Holzrahmen einzubauen und den Fensterfreiraum mit Schweinsblasen zu bespannen, die man zuvor gereinigt, aufgeblasen und getrocknet hat. So wird Lichtdurchlässigkeit gewährleistet und Zugluft abgehalten. Glas als Fensterscheibeneinsatz kam in Mitteleuropa erst im Mittelalter zum Einsatz und war in der vorrömischen Eisenzeit noch gänzlich unbekannt. Die mit Schweinsblasen bespannten Fensterrahmen können bei Bedarf den Witterungsverhältnissen angepasst, d.h. von innen mit Holzbrettern verschlossen werden.
Ausgrabungen im Bereich der Dietfurter Schleuse haben 1979/80 den Teil eines urnenfelderzeitlichen Dorfes aus der Zeit zwischen etwa 1150 und 1000 v. Chr., der so genannten Stufe Ha A2, erbracht. Zahlreiche Pfostenstellungen gehörten zu mindestens 20 unterschiedlichen, meist kleinen Gebäuden, von denen ein Teil im Erlebnispark ALCMONA wieder aufgebaut werden soll. Die Keramikfunde aus dieser Siedlung zeigen deutliche Merkmale der nordostbayerisch-böhmischen Gruppe der Urnenfelderkultur (etwa 1150 bis 1000 v. Chr.), es dominieren feinkeramische Gefäße nach Attinger Art mit Ringabrollungsverzierungen und Turbanrandschalen mit mehrfach abgestrichenem Rand, die nach zwei Fundorten im Unteren Altmühltal als "Typ Dietfurt/Kellenäcker" bezeichnet werden.
Neben dem vorgeschichtlichen Gebäude befindet sich auch der Nachbau eines prähistorischen funktionstüchtigen Lehmofens zum Backen, der im Rahmen von Veranstaltungen, die der Verein ALCMONA anbietet, genutzt werden kann. Rekonstruktionen weiterer Öfen sind geplant.

(Text von Prof. Dr. Michael M. Rind, überarbeitet von H. Meier)
Literatur
M. M. Rind, Die urnenfelderzeitliche Siedlung von Dietfurt/Oberpfalz. British Archaeological Report IS 377 (Oxford 1987).
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