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  Ottmaringer Schlösser  
     
 

Die zwei Schlösser von Ottmaring

 

Im Stadtarchiv von Beilngries finden sich zwei uralte Landkarten, die für die Geschichte von Ottmaring von großer Bedeutung sind. Beide Karten geben in farbigen Bildern Auskunft über das Aussehen des Dörfchens vor mehreren hundert Jahren, als das Ortsbild nicht nur von der gotischen Kirche, sondern auch noch von zwei Schlössern geprägt wurde. Auf der älteren Karte zeigt sich die Gemeinde um das Jahr 1500, die andere stammt von 1794.

 

 

Die Gesamtreproduktion der Karte, die das Ottmaringer Tal um 1500 zeigt. Es gab noch keinen Kanal. Die Quellen vereinigten sich zu einem Bächlein in Richtung Beilngries; das Wasser speiste zwei Fischteiche, die damals der Stadt Beilngries gehörten.

 

Ottmaring ist eine uralte germanische Siedlungsstätte. Zwar hat die Ortschaft den Hl. Otmar zum Kirchenpatron, der Name jedoch geht eindeutig auf ein germanisches Sippenoberhaupt zurück, das Otmar oder Audmer geheißen haben mag. Aller Wahrscheinlichkeit nach stand im Dörfchen sogar ein fränkischer Königshof als Stützpunkt an der "Hohen Straße", die von Lauterhofen zum Königsgut bei Ingolstadt führte. Im Mittelalter beherbergte der Ort zwei Schlösser, die längst abgebrochen sind. Keines aber ist verschwunden, ohne Spuren zu hinterlassen. Die kleinere der beiden Anlagen befand sich im Westen des Dorfes; in einem Garten finden sich unter der Grasnarbe noch heute Reste der Grundmauern. Das größere Schloss stand auf der Südseite des späteren Ludwigskanals an der Stelle des ehemaligen Anwesens Mosandl, das 1976 dem RMD-Kanal weichen musste. Von ihm ist ein bereits 1606 erwähntes "Gewölbe" noch erhalten.

Noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts berichteten die Pfalz-Neuburger Provinzialblätter: "Mitten im Dorf stehen noch einige Haupt- und Grundmauern von zwei Schlössern, die ehemals dort stunden."

 

                      

 

Ottmaring auf einer Landkarte um 1500. Das kleinere Schloss links oben mit Zugbrücke, das größere der beiden ist im Vordergrund deutlich abgebildet.

 

                 

 

Auf der Abbildung des Dorfes aus dem Jahre 1794 ist das "kleinere Schlösschen" bereits verschwunden. Auch das große Schloss ist rechts nur noch als Ruine eingezeichnet.

 

Die adeligen Herren von Ottmaring lassen sich urkundlich bis zum Jahre 1300 zurückverfolgen, als ein Liebhard von Ottmaring als kaiserlicher Viztum genannt wird. 1340 noch war er Landrichter der Grafschaft Hirschberg. Wahrscheinlich beziehen sich diese frühesten Angaben auf das größere der beiden Schlösser, ein Beweis jedoch lässt sich nicht führen.

1400 befand sich das Schloss im Besitz des Albrecht von Krebitzer, der zugleich Richter in Dietfurt war.

Eine Besitzfolge auf diesem Schloss kann erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts ziemlich sicher nachgewiesen werden. 1496 empfing es Bernhardin Graber als bischöflich-eichstättisches Lehen. 1510 erwarb die Familie Dürner das Gut, die 1586 den "größeren Besitz und das Schloß" wieder an den Bischof von Eichstätt verkauften. 1592 erwarb der Hirschberger Pfleger Ferdinand von Donneck das Anwesen. Der prachtvoll gearbeitete Grabstein einer Frau Euphrosine von Donneck befindet sich heute noch an der Friedhofsmauer in Ottmaring. Früher bedeckte er das Grab im Langhaus der Kirche. Der Grabstein zeigt die Verstorbene, die Hände betend gefaltet.

1606 fiel das Schloss wieder einmal an den Eichstätter Bischof. In dieser Urkunde findet sich auch die früheste Beschreibung des Gebäudes. Die  Güterbezeichnung von 1606 berichtet, das "Schlössl" habe "7 Stuben, 5 Kammern, ein Gewölb und Stallungen, sowie einen doppelten Wassergraben, Garten, Stadl, Backofen und Waschhaus" besessen.

In der Folge kam der Besitz an Joachim Rieter von Kornburg, Hauptpfleger auf der Willibaldsburg, der 1619 gestorben ist. Sein herrlicher Grabstein mit großem Wappen findet sich auch an der Friedhofsmauer. Neben dem persönlichen Wappen zeigt er die Insignien des Schwertordens von Aragonien und des Ordens vom Hl. Grab in Jerusalem.

Das Gut verwahrloste in den nächsten Jahren zusehends. Dazu dürften vor allem die Wirrnisse des Dreißigjährigen Krieges beigetragen haben, der um 1633 unsere Gegend schwer heimsuchte und zu einer totalen Ausplünderung der Bevölkerung führte. Während dieser schrecklichen Zeit gehörte das Schloss dem Georg Wolf Späth von Zweifalten, der im Jahre 1629 auch als Pfleger von Töging genannt wird.

Es folgten noch mehrere namentlich bekannte Familien. Ab 1741 wird kein adeliger Besitzer mehr genannt, bäuerliche Familien übernahmen die Nachfolge. Um das Jahr 1840 gehörte das Schlossgebäude bereits der Familie Mosandl. Sie erhielt es als Ersatz für die beim Bau des alten Ludwig-Kanals verlorene Hofstätte. Auf den Fundamenten der Schlossgebäude wurde ein Bauernhof errichtet. Interessant ist, dass die gleiche Familie 1976 dem RMD-Kanal wieder einmal weichen musste.

 

Über die Besitzverhältnisse auf dem kleineren Schloss, das die ältere der beiden Karten auch deutlich zeigt, ist weniger bekannt. 1411 und 1420 scheint es Ulrich der Schreiber innegehabt zu haben, der 1411 auch als Richter zu Dietfurt erwähnt wird. Dabei nennt er sich auch "von Ottmaring". Bereits 1644 berichtet die Hirschberger Güterbeschreibung, dass das "kleinere Schlößl" ganz eingehe und ohne Inhaber sei. Auch das größere wird schon als baufällig bezeichnet. Auf der Karte von 1794 ist das kleinere Schloss bereits nicht mehr eingezeichnet. Das große Schloss ist nur noch als Ruine aufgeführt.

 

Da nahezu das gesamte Gelände dieses Schlosses vom Main-Donau-Kanal durchschnitten wird, veranlasste das Landesamt für Denkmalpflege 1983 eine umfangreiche Grabung auf dem ehemaligen Anwesen Mosandl. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Koch konnten die gut erhaltenen Fundamente des eigentlichen Schlossgebäudes und Teile eines Wassergrabens freigelegt werden.

Bei der Ausgrabung konnten nach dem Abräumen der Reste der ehemaligen landwirtschaftlichen Überbauung die in rechteckiger Form verlaufenden Grundmauern des ehemaligen Hauptgebäudes freigelegt werden. Es handelt sich dabei um ein Mauerviereck von 15 x 18 m. Überraschend ist die gewaltige Mauerstärke von 1,60 m. Sie scheint zu bestätigen, dass das Schlossgebäude (wie auf einem Stich von 1615 ersichtlich) eine beachtliche Höhe besaß.

 

 

Deutlich erkennbar die Mauerstärke von durchwegs 1,60 Meter. Sie war auch nötig, um das mehrgeschossige Schlossgebäude zu tragen.

 

Im Innern dieses Mauergevierts fand sich unter viel Schutt auch die gesamte Erdgeschosseinteilung mitsamt den Fußbodenbelägen aus Kalksteinplatten bzw. aus gebrannten quadratischen Ziegelplatten. Nach den Worten Dr. Kochs sind die verschiedenen Höhen der Bodenpflasterung durch mehrmalige Umbauphasen im Laufe der Jahrhunderte erklärbar. Ursprünglich dürfte der größte Teil des Erdgeschosses aus einem hallenartigen Raum bestanden haben, der in der Mitte durch eine das Gewölbe tragende Säule gestützt wurde. Diese breite Halle im Erdgeschoss konnte von der Decke nicht in einem Zuge überspannt werden, deshalb gab es die zentrale Säule mit vier Kreuzgewölben. Der gut erhaltene Kalksteinsockel der Säule fand sich noch in einem der Erdgeschossräume. Die Küche des Herrensitzes war mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Nordostecke des Schlosses, wie die Reste eines gemauerten Steinsockels, auf denen wahrscheinlich der Herd stand, beweisen.

Nach Dr. Koch dürfte die Erbauung dieses Gebäudes etwa in das 14. Jahrhundert fallen. Vielleicht wurde es unter dem ersten namentlich bekannten Besitzer Liebhard von Ottmaring errichtet. Ein aus Kalkstein gemeißelter Teil eines gotischen Fensters, der bei den Grabungen aufgefunden wurde, lässt sich wohl in diese Zeit datieren.

 

                      

 

Dieser Teil eines gotischen Fensters, der bei den Grabungen freigelegt wurde, stammt wohl von dem Schlossbau, der im 14. Jahrhundert auf noch älteren Fundamenten errichtet wurde. Dr. Koch zeigte den Fund.

 

Aufgrund der Grabungsergebnisse scheint dieses spätmittelalterliche Schlossgebäude allerdings auf den Fundamenten eines noch viel älteren Baues zu stehen, die aber im Laufe der Jahrhunderte stark abgeräumt wurden. Einzelne Keramikfunde lassen sich wohl in das 13. Jahrhundert zurückdatieren. Zu diesem noch älteren Schlossbau gehört wohl auch ein aus Bruchsteinen aufgebauter und später (vielleicht beim Neubau des Schlosses) aufgefüllter Brunnen, der sich unter dem Fußbodenniveau des späteren Schlosses fand.

Auf einem kolorierten Stich von 1615 zeigt sich an der Westseite des hoch aufragenden Schlossgebäudes ein Turm. Tatsächlich fanden sich in etwa einem Meter Tiefe an der Westseite neben den rechteckigen Gebäudefundamenten gerundet angelegte Grundmauern eines turmartigen Gebäudes. Dieses halbrunde Treppentürmchen kam ebenfalls erst später dazu.

 

                      

 

Auf dem Stich von 1615 sind die beiden Ottmaringer Schlösser deutlich erkennbar. Südlich des ehemaligen Baches ist die größere Schlossanlage deutlich als hoch aufragender Bau erkenntlich. Im Westen zeigt sich ein angebauter Turm, auf dessen Fundamente man bei den Grabungen gestoßen ist.

 

 

Text und Fotos nach Artikeln von Franz Kerschensteiner,

veröffentlicht im Donau-Kurier am 16.04.1981, 05.08.1983 und 27.10.1984, sowie

Bernd Engelhardt, Ausgrabungen am Main-Donau-Kanal / Archäologie im Herzen Bayerns (München 1987)

 
     
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