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  Das Franziskanerkloster  
     
 

Ein Ort zur Einkehr und Besinnung

 

Im Beisein zahlreicher kirchlicher und weltlicher Prominenz wurde vor den Mauern der Stadt am 11. September 1660 der Grundstein für das Franziskanerkloster gelegt. Den feierlichen Akt vollzog der Eichstätter Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell, der mit einem Gefolge von 60 Personen eigens zu diesem Ereignis in die Siebentälerstadt gekommen war. Die neue Niederlassung der Mönche hatte der damalige Bürgermeister Johann Huebmer, ein wohlhabender Land- und Gastwirt ermöglicht. Er schenkte den Franziskanern seinen mehrere Tagwerk großen Garten an der westlichen Laber zur Erbauung eines Klosters. Johann Huebmer hatte die Franziskaner schon Jahre davor schätzen gelernt, als sie des Öfteren von ihrem Kloster in Kelheim aus zur Seelsorge nach Dietfurt kamen. Konsequent verfolgte er den Plan, sie auch in seiner Heimatstadt anzusiedeln.

Am 22. Juni 1658 kam der damalige Provinzial des Ordens, Pater Ludwig Gerlspeck, persönlich nach Dietfurt und fand den angebotenen Platz für ein Kloster gut geeignet. Am 28. Juni stimmten die Dietfurter in einer Bürgerversammlung mit großer Mehrheit für das Vorhaben. Auch Bayerns Kurfürst Ferdinand Maria hatte als Landesherr keine Einwände. Große Bedenken allerdings meldete der damalige Stadtpfarrer Ettinger an, der den Bischof von Eichstätt bat, den Klosterbau in seiner Pfarrei zu verhindern, da die im Dreißigjährigen Krieg ausgeblutete Stadt so verarmt sei, dass in ihr die Franziskaner kein Auskommen finden würden. In einem Schreiben an den Kurfürsten schilderte daraufhin der Fürstbischof den denkbar schlechten materiellen Zustand der Pfarrei, die Armut des Pfarrers und die kriegsbedingte Verwahrlosung der Pfarrkirche. Erst als der Kurfürst den Bischof persönlich um Zustimmung bat, ließ dieser seine Bedenken fallen und unterstützte von da an das Vorhaben.

 

1660 kamen die ersten Franziskaner nach Dietfurt, die Patres Jodokus Pfleger und Raphael Sutor und der Frater Longinus Dallmayer. Eine erste Wohnung stellte ihnen der Stadtschreiber Johann Martin Schweiger in seinem Haus zur Verfügung, als Gotteshaus diente zunächst die Frauenkirche in der Vorstadt.

Den denkwürdigen Tag der Grundsteinlegung hielt die Klosterchronik fest: "1660, den 11. September seynd Höchstgedachte Hochfürstliche Gnaden selbst in Begleitschaft 60 Personen von Aichstätt ankommen, den ersten Stain gelegt und das Hl. Kreuz gesteckt. Im Namen seiner Churfürstlichen Durchlaucht hat den ersten Stain legen helfen Herr Wolfgang Jacob Freymann, Rentmeister. Im Namen der Churbayerischen Provinz war gegenwärtig Pater Ambrosius Kirchmay p. t. Minister Provinc. An diesem Tag ist auch das Hl. Sakrament der Firmung von Herrn Weihbischof Wilhelm Benz zweimal erteilt worden."

 

Mit dem eigentlichen Bau von Kirche und Kloster wurde erst 1664 unter der Leitung des Superiors Pater Franz Sigl begonnen, als Baumeister wird Frater Hugolin Partenhauser genannt. Während die Klostergebäude bereits zwei Jahre später bezogen werden konnten, dauerte es noch ein weiteres Jahr, ehe die Kirche fertig gestellt war und am 3. Juli 1667 im Rahmen einer großen Feier durch Weihbischof Wilhelm Ludwig Benz konsekriert wurde. Als erster Guardian wurde Pater Anton Jungwirth aufgestellt, sechs weitere Patres und fünf Brüder bewohnten das Kloster.

Wie groß die Begeisterung in der ganzen Umgebung war, zeigt eine Spendenliste zum Klosterbau in der Chronik: Die Stadt Dietfurt stiftet 150 Baumstämme, die Gemeinde Schweinkofen 100 Baumstämme, die Pfarrei Gimpertshausen 20 Baumstämme, die Pfarrei Irfersdorf 100 Baumstämme, der Bauer Bumbs 300 Stämme, der Nagel Görg von Hemau 100 Stämme, Frau Hafnerin schenkte ihren neu erbauten Keller, ein armer Hirte 24 Gulden usw.

 

 

Die Weitläufigkeit des gesamten Komplexes zeigt sich in dieser ältesten Ansicht des Franziskanerklosters aus der Plansammlung im Hauptstaatsarchiv München.

 

Schon im Jahre 1673 bestanden die Franziskaner ihre erste karitative Bewährungsprobe. Nahezu 1000 bayerische Soldaten waren in Dietfurt einquartiert, und nach ihrem Abzug brach eine unheimliche Seuche aus. Mit Liebe nahmen sich die Mönche der Pflege der Kranken an, und obwohl kaum ein Haus von der pestartigen Krankheit verschont blieb (60 Personen starben) und die Franziskaner Tag und Nacht bei den Kranken wachten, verschonte die Krankheit das Kloster.

Ein Jahr danach starb am 9. Februar 1674 der Gründer und größte Wohltäter des Konvents, Johann Huebmer. Er wurde im Ordenskleid in der Pfarrkirche von Dietfurt beigesetzt. Dietfurt hat diesen Mann nicht vergessen, eine Straße im Siedlungsgebiet trägt seinen Namen.

1681 fand die erste Ölbergandacht mit szenischer Darstellung statt. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten.

1715 wurde das Noviziatshaus an der Laber entlang errichtet, 1717 die Antoniuskapelle mit der Gruft. 1766/67 musste die schon längst zu klein gewordene Kirche an der Portalseite vergrößert werden, und daneben wurde gleichzeitig eine Bibliothek errichtet. Die Baukosten bezahlte Leonhard Fellner, Bürger und Webermeister zu Dietfurt.

 

Die Säkularisation schien das Aus für die Franziskaner in Dietfurt zu bringen. 1802 wurde das Kloster zunächst aufgehoben, dann zum Zentralkloster erklärt und zur Aufnahme solcher Mönche bestimmt, die ihr Leben im Ordenskleid zu beschließen wünschten. Im Kloster herrschte oft bitterste Not und Armut, wenn die staatlichen Subventionen zu spät eintrafen. Die meisten Patres traten aus dem Orden aus und wurden Weltpriester. Waren 1806 noch 21 Patres und 17 Laienbrüder im Dietfurter Zentralkloster, so sollen nur noch zwei Franziskaner im Kloster gelebt haben, als im März 1827 der damalige Bürgermeister Werner Dürich und der Bierbrauer Anton Schneeberger persönlich von König Ludwig I. empfangen wurden und die Zusicherung für den Weiterbestand des Klosters erhielten. Am 27. Juni 1827 konnten wieder Novizen aufgenommen werden. Sie wurden mit großer Begeisterung und mit Böllerschüssen in der Siebentälerstadt willkommen geheißen.

 

 

Bereits im Jahre 1975 entstand vom eingerichteten Pfarrkirchturm aus diese Aufnahme aus luftiger Höhe. Sie zeigt einen Großteil des Dietfurter Klostergebäudes. Im Vordergrund ist die ehemalige Brauerei zu erkennen, rechts anschließend das alte Noviziat, vor der Kirche (Turmseite) die 1766 erbaute Bibliothek, um den Kreuzgang die eigentlichen Wohngebäude und rechts im Hintergrund ein Teil des Meditationshauses.

 

Die Franziskaner in Dietfurt haben sich in der heutigen Zeit neue Aufgaben gestellt. 1977 eröffnete die bayerische Franziskanerprovinz in der Altmühlstadt ein fernöstlichen Vorbildern nachempfundenes Meditationshaus, durch welches das Kloster Dietfurt weit über die Grenzen  Deutschlands hinaus bekannt wurde. Hier können Menschen jeder Religion oder Glaubensrichtung unter Anleitung anerkannter Meditationslehrer innere Einkehr und geistige Sammlung üben.

 

 

Text und Fotos Franz Kerschensteiner

Veröffentlicht im Donau-Kurier am 11.09.1985

 

 

 

 

 

Das Meditationshaus St. Franziskus

 

 

 

 
     
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