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  Der schwedische Überfall  
     
 

Plünderungen und Morde in der wehrlosen Siebentälerstadt

 

Die Tage um das Pfingstfest im Jahre 1633 waren für die Stadt Dietfurt wahrscheinlich die schrecklichsten ihrer langen Geschichte. Bis dahin hatten sich die Bürger im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges wohl an dauernde Truppendurchzüge gewöhnt, auch waren einige Reibereien zwischen den Einwohnern und teilweise undisziplinierten Soldaten vorgekommen, aber größere Plünderungen gab es nicht. Erst an Pfingsten 1633 lernte die Siebentälerstadt die Schrecken des Krieges fürchten. Aus den Kammerrechnungen und einem Brief an den kurfürstlichen Hof lässt sich ein ziemlich genaues Bild des schwedischen Truppeneinmarsches vor bald 400 Jahren zusammenstellen.

 

Spätestens seit Anfang April hörten die Dietfurter vom Näherrücken der schwedischen Truppen. Niemand wusste genau, wie nahe diese schon waren. Auf Gerüchte wollten sich die Stadtväter nicht verlassen und so wurden immer häufiger Boten als Kundschafter in die Umgebung ausgesandt. Erstmals am 18. April hieß es in den Rechnungsbüchern: "Leonhard Englbrecht wegen erkundigung des feinds nacher Hürsberg (Hirschberg) geschickt." Zwei Tage später musste Benedikt Wild in Greding kundschaften.

Die von Tag zu Tag wachsende Aufregung lässt sich deutlich an den Posten der Kammerrechnungen ablesen. So finden sich unter dem Datum 26. April nicht weniger als sechs Absendungen von Kundschaftern nach Kipfenberg, zweimal Riedenburg, zweimal nach Beilngries und einmal nach Ingolstadt.

In aller Eile versuchten die Bürger, die Stadt in Verteidigungszustand zu versetzen. So wurde Konrad Gögeln am 27. April mit drei Begleitern und einem Fuhrwerk nach Ingolstat "umb pulver und plei" geschickt. Auch die Wachen wurden verstärkt: "Umb kerzen uf die thortürm zur wacht bezalt 2 Gulden 2 Kreuzer."

Am 27. April eroberten die Schweden Eichstätt. Immer näher rückte die Gefahr, und deshalb wurde "am 1. Mai Hansen Pfündl wegen des feindseinfahl nach Aystett geschickt".

Mehr und mehr tauchten jetzt auch kaiserliche Truppen in der Stadt auf und ließen sich und ihre Pferde kostenlos verpflegen. Am Pfingstsonntag kamen zwei Trupps kaiserlicher Kroaten nach Dietfurt, verlangten Brot und Bier und setzten dann ihren Marsch unter der Führung von zwei Dietfurtern nach Beilngries fort.

Am Pfingstmontag überstürzten sich die Ereignisse. Zunächst erschienen 50 kroatische Reiter, die einige gefangene Schweden mit sich führten, und verlangten Verpflegung. Dazu melden die Stadtbücher: "Als bemelte Krobaken vier gefangene schwedische Reuter in der vorstadt alhie niedergemacht, denjenigen so dise vergraben 2 Gulden."

Am Abend um 5 Uhr schwammen sechs Kompanien schwedischer Reiter von Griesstetten her durch die Altmühl, weil die "brucken" bereits zerstört worden war. Durch einen Trompeter forderten sie die Stadt zur Übergabe auf. "Weil wir bei der statt und burgerschaft mit munition übel versehen" und weil auch keine Hilfe zu hoffen war, bot Dietfurt eine Kontribution an, um vor der Brandschatzung verschont zu bleiben.

 

 

So etwa sah Dietfurt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges aus.

 

Die Schweden standen unter dem Befehl von "Otto Ludwig, Rheingraf und der königl. cron zu Schweden general". Dieser forderte durch seinen Hofmeister 2000 Taler. Durch "große bitt der armen Burgerschaft" willigte er schließlich auf 1000 Taler ein. Noch während der Verhandlungen hatten einige gegnerische Soldaten bereits eine Bresche in das obere Stadttor geschlagen. Daraufhin wurde der Landgraf mit einigen Offizieren in die Stadt eingelassen und bewirtet. Die vor den Mauern liegenden Truppen mussten gleichfalls verpflegt werden.

Am anderen Morgen übergaben die Bürger das geforderte Geld, das die Dietfurter in einer für die meisten wohl schlaflosen Nacht gesammelt hatten, und hofften nun auf einen schriftlichen Schutzbrief, der die Stadt vor weiterem Ungemach verschonen sollte. "Ist aber solches wider verhoffen nit geschehen." Der General versprach auf untertäniges Bitten nur, dass die Stadt vor Brand verschont bleiben solle. Er müsse aber mit seiner ganzen Armee durchmarschieren, und da ließe sich eine Plünderung nicht vermeiden. Daraufhin zogen die Truppen wieder ab.

Nach etwa vier Stunden erschien wieder ein Trupp Reiter mit einigen Musketieren. Die Männer gaben sich als Schutztruppe des Rheingrafen aus und wurden eingelassen. Sie begannen sofort zu plündern, fielen in die Häuser ein, zerschlugen Kästen und Truhen und nahmen mit, was ihnen gefiel. Kurz darauf erschienen kaiserliche Kroaten, gelangten sogar in die Stadt, wurden aber von den Schweden zurückgeschlagen.

 

Noch am Abend des Dienstags in der Pfingstwoche erschien die ganze schwedische Armee vor der Stadt und schlug an zwei Stellen im Talkessel das Lager auf. Das wehrlose Städtchen wurde nun systematisch geplündert. In dem Brief an den Kurfürsten folgt eine genaue Aufstellung der geraubten Gegenstände, Pferde und Kühe. Die Plünderung war so vollkommen, dass nicht einmal mehr ein Kelch für den Gottesdienst vorhanden war. Man musste einen in Beilngries ausleihen. Wer sein Hab und Gut nicht freiwillig hergab, wurde "mit schlagen, strangulierung und vilen erschrecklichen mitln dermassen gebeinigt, das sie das eusserste ihres vermögens" hergaben. Einige Bürger versuchten, in die Wälder zu fliehen: "... der feind sie alle berg und tal wie wildes tier ausgejagt."

 

Anschließend folgt eine Aufzählung der ermordeten Bürger: Jacob Angerer vom inneren Rat, Adam Oberndorfer vom äußeren Rat, Wolf Groll, Niklas Minderlin, Georg Halbritter, der Knecht des Bürgermeisters, der Viehhirte und eine ledige Dirne, die "durch grosse, ausgestandene marter ir leben geendet". Dazu waren noch viele so schwer verwundet, dass mit ihrem Tod gerechnet werden musste.

 

Diese Schreckenstage für Dietfurt dauerten bis zum Donnerstag der Pfingstwoche. Am Abend dieses Tages zog die schwedische Armee ab, indem sie noch etliche Bürger als Geiseln mitschleppte. Rheingraf Otto Ludwig hatte, wie im Brief noch vermerkt wurde, wenigstens sein Versprechen gehalten, die Stadt nicht niederzubrennen.

 

 

Text und Foto Franz Kerschensteiner

Veröffentlicht im Donau-Kurier am 21.05.1983

 
     
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