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  Das Adelsgrab  
     
 

Rätsel um das Grab eines Adeligen

 

Auf dem ausgedehnten hallstattzeitlichen Gräberfeld am Dietfurter Tennisplatz stießen die Archäologen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege bei ihren Ausgrabungen 1982 auf ein so genanntes Wagengrab. Der vornehme Tote, der in ihm ruhte, wurde vor etwa 2600 Jahren nicht wie die anderen Stammesgenossen auf der bloßen Erde beigesetzt, sondern auf einem hölzernen Wagen. In der umfangreichen Grabkammer fanden sich neben den Resten des Gefährts Teile des Pferdegeschirrs und ein eisernes Schwert. Es handelte sich um die erste reguläre Waffe, die aus einem der mehr als 30 bis dahin geöffneten Grabhügel geborgen werden konnte. In diesem Grab war wohl das Siedlungsoberhaupt, ein adeliger „Ritter“, beigesetzt. Eine ähnliche Anlage war auch das Grab N. VIII des hallstattzeitlichen Gräberfeldes von Haidhof, das einige Jahre zuvor beim Bau der RMD-Schleuse Riedenburg aufgedeckt worden war. Doch war das Riedenburger Grab durch Bagger bereits zu 80 Prozent zerstört und nur noch in spärlichen Resten erkennbar. Aber auch der neue Fund ließ Fragen offen und gab einige Rätsel auf.

 

 

 

 

Der Tote lag auf einem hölzernen Wagen. Neben dem schlecht erhaltenen Skelett ein eisernes Pilzknaufschwert, das gerade freigelegt wird. Links eine eiserne Pferdetrense.

 

Grab Nr. 31, wie es von den Archäologen beziffert wird, lag genau unter dem Damm der ehemaligen Eisenbahnlinie Beilngries-Dietfurt. Nahezu 60 Jahre lang fuhren täglich Züge der Bundesbahn über die Gebeinkammer hinweg. Glücklicherweise war beim Bau der Strecke im Jahre 1909 der Untergrund nicht ausgehoben worden, so dass die umfangreiche Anlage nicht zerstört wurde. Schon die äußeren Abmessungen der quadratischen Steinpackung ließen den Leiter der Ausgrabungen, Dr. Bernhard Rüdiger Goetze, hoffen, auf die Grablege eines vornehmen Mannes gestoßen zu sein. So erstreckte sich die Steinpackung einer normalen Bestattung in Dietfurt über eine Fläche von etwa 16 Quadratmeter, Grab Nr. 31 hingegen wies mehr als das Doppelte, nämlich 36 Quadratmeter, auf.

 

 

Schon die Ausmaße der Grabkammer 31 von sechs mal sechs Meter lassen auf eine Sonderstellung des Toten schließen. In der linken oberen Ecke ist die Steindecke bereits entfernt.

 

Nachdem der Hügel sorgfältig aufgenommen und aufgezeichnet worden war, entfernte Grabungstechniker Fritz Angrüner mit seinen Leuten die Steindecke über der Grabkammer. Zum Vorschein kam das Skelett eines etwa 40 Jahre alten Mannes, das sich allerdings in einem schlechten Zustand befand. Beim Einsturz der hölzernen Grabkammer hatten herab fallende schwere Gesteinsbrocken den Schädel und einen Großteil der übrigen Knochen zertrümmert. Der Tote war ursprünglich auf einem hölzernen, wahrscheinlich zweirädrigen Wagen bestattet worden, dessen Räder man abmontiert hatte, wohl um den Leichnam besser in der niedrigen Grabkammer unterbringen zu können. Die Räder waren in der nordwestlichen Ecke der Kammer abgestellt worden. Die Holzteile verfaulten, nur die eisernen, mit Felgennägeln versehenen Reifen haben sich erhalten.

 

 

In der Nordwestecke der Grabkammer die Reste der mit eisernen Reifen beschlagenen Wagenräder.

 

Ungewöhnlich reichhaltige Keramikbeigaben in der östlichen Hälfte der Grabkammer vervollständigten den Eindruck einer vornehmen Bestattung. Die etwa 50 Gefäße verschiedenster Art waren zum Teil bemalt und mit feinsten Verzierungen versehen.

Nach den Worten von Dr. Goetze war die Bestattung für ihn „in einigen Punkten noch etwas rätselhaft“. So wäre ein zweirädriger Wagen in der Hallstattzeit eine nahezu einmalige Sache. Diese Zeit kenne eigentlich nur vierrädrige Fahrzeuge. Erst in der Keltenzeit tauche der zweirädrige Wagen auf. Zum anderen sei der Fund des Eisenschwertes merkwürdig. Menschen, die in der Hallstattzeit lebten, in die das Gräberfeld aufgrund der Keramik datiert wird (7./6. Jh. v. Chr.), gebrauchten eigentlich keine Eisenschwerter; diese kamen erst in einer späteren Periode auf.

Vielleicht war der Tote sogar zusammen mit seinem Pferd in das Grab gelegt worden; einige große Knochenfunde deuteten darauf hin.

 

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Auch in der Hallstattzeit scheint es auf den Friedhöfen schon Platzmangel gegeben zu haben. So ist die hölzerne Grabkammer von Grab Nr. 30 auf dem Dietfurter Hallstattgräberfeld nachweislich ein zweites Mal geöffnet worden. Die Gebeine der ersten Bestattung wurden einfach beiseite geräumt, und ein weiterer Toter fand in der damals noch erhaltenen hölzernen Grabkammer seinen Platz.

 

 

Das Grab wurde nachweislich schon in der Hallstattzeit wieder geöffnet, die Gebeine der Erstbestattung beiseite geräumt (rechts unten) und ein neuer Toter in die Grabkammer gelegt (Skelett).

 

 

Aufnahme des gut erhaltenen Skelettes

 

 

Text und Fotos Franz Kerschensteiner

Veröffentlicht im Donau-Kurier am 30.08.1982

 
     
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