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  Die Lokalbahn  
     
 

„Großer Bahnhof“ in der Siebentälerstadt

 

Vor etwa 100 Jahren, am 11. September 1909, traf um 8.54 Uhr der erste Zug der Eisenbahnlinie von Beilngries nach Dietfurt im Dietfurter Bahnhof ein. Die großen Hoffnungen, die damals an das Eisenbahnzeitalter geknüpft wurden, erfüllten sich nicht. Im Dezember 1961, nur 52 Jahre nach der Inbetriebnahme, begann für Dietfurt der Kampf um die Erhaltung seiner Lokalbahn. Drei Jahre später war der Kampf verloren. 1964 kündigte die Bundesbahn die baldige Stilllegung an. Am 1. Juni 1967 verließ der letzte Zug den Bahnhof Dietfurt. Im Zusammenhang mit dem Bau der Schulsportanlage wurde später auch das ehemalige Bahnhofgebäude abgerissen. Heute erinnern nur noch die Bahnhofstraße und der ehemalige Bahndamm, der als Fuß- und Radweg nach Töging genutzt wird, an Dietfurts Eisenbahnzeitalter.

 

     

 

Das ehemalige Bahnhofsgebäude

 

Der Gedanke an eine Bahnlinie nach Dietfurt war schon alt. Ausgangs der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts war zunächst geplant, von Kelheim aus über Riedenburg eine Eisenbahnlinie bis Dietfurt zu bauen.

1891 wurde ein Eisenbahnbaukomitee gegründet, dem aus Dietfurt Bürgermeister Rengnath und aus Wildenstein Gutsbesitzer Schleindl angehörten. Die neu geplante Streckenführung sollte von Beilngries über Dietfurt bis Riedenburg gehen. Aufgrund einer vom Magistrat der Stadt Dietfurt eingereichten Petition beschäftigte sich im Juni 1895 die Kammer der Abgeordneten in München erstmals mit dem Vorhaben.

Als erste erklärt sich die Gemeinde Wildenstein bereit, 200 Reichsmark zu den Kosten der Projektierung beizusteuern. Die Stadt Dietfurt verspricht 1896 in einer Versammlung der Vertreter aller am Bahnbau interessierten Gemeinden, die nicht gedeckten Projektierungskosten zutragen. Daraufhin erhält noch im Herbst dieses Jahres die Generaldirektion der Königlich bayerischen Staatseisenbahn von der Regierung den Auftrag, die Frage eines Eisenbahnbaues bis Dietfurt und Riedenburg zu prüfen. Im Landtag setzt sich besonders der damalige Stadtpfarrer Kohl, der zugleich Landtags- und später auch noch Reichstagsabgeordneter war, für das Projekt ein. Die Marktgemeinde Riedenburg hat es sich inzwischen anders überlegt und ist zum Entschluss gekommen, lieber eine Bahnverbindung nach Ingolstadt anzustreben.

Trotzdem stimmt der Landtag dem Projekt zu und verweist zur Begründung auf den Reichtum an Naturschönheiten im Altmühltal. Die Regierung aber lehnt plötzlich ab, da sie von der Wirtschaftlichkeit dieses Planes nicht mehr überzeugt ist. Am 16. Juni 1896 berichtet Stadtpfarrer Kohl „in einer Cumulativsitzung der beiden städtischen Kollegien“ von seinen Bemühungen. Nach seinen Worten hatte er sich wenigstens zwanzigmal mit dem damaligen Ministerpräsidenten Freiherrn von Crailsheim mündlich und schriftlich ins Benehmen gesetzt, doch konnte er keine wirksamen Zusicherungen erhalten.

Erst anfangs des 20. Jahrhunderts gab auch die Staatsregierung grünes Licht und die Projektierung der Bahnlinie konnte endgültig beginnen. Vorher hatte die Stadt Dietfurt noch zugesichert, 23000 Mark von den Grunderwerbskosten in Höhe von 56000 Reichsmark zu übernehmen. Auch Töging und Kottingwörth beteiligten sich. Nach weiteren Schwierigkeiten wurde endlich im Juli 1908 in Beilngries eine königliche Eisenbahnbauführung unter Bauführer Hugo Wittenzeller errichtet.

Im Spätsommer 1909 war dann die Weiterführung der Eisenbahn von Beilngries bis Dietfurt beendet. Am 11. September 1909 traf um 8.54 Uhr der erste, mit Blumen und Girlanden verzierte Zug in Dietfurt ein. Alles stand auf dem geschmückten Bahnhof, darunter der damalige Stadtpfarrer, der Bürgermeister und eine Musikkapelle.

 

 

Der erste Zug trifft am 11. September 1909 in Dietfurt ein

 

Die zunehmende Motorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Lokalbahn immer mehr in die roten Zahlen fahren. So begann schon 1961 der Kampf der Stadt Dietfurt um die Erhaltung der Bahnlinie. Trotzdem kündigte 1964 die Bundesbahn die baldige Stilllegung der unrentablen Strecke an.

In verschiedenen Eingaben protestierte der Stadtrat mit dem damaligen Bürgermeister Oexl dagegen. Er wies darauf hin, dass jährlich mindestens 285 Güterwagen auf dem Dietfurter Bahnhof verladen würden. Weiter wären von der Einstellung zehn Oberschüler, 83 Berufsschüler und rund 70 Pendler besonders hart betroffen.

Es half jedoch alles nichts. Am Donnerstag, 1. Juni 1967, schloss sich ein Kapitel Dietfurter Verkehrsgeschichte: Um 15.26 Uhr dampfte zum letzten Mal eine Lokomotive mit drei Waggons voll Bundesbahninventar und einigen Gütern vom Dietfurter Bahnhof nach Neumarkt. Nur wenige Dietfurter waren zur Abschiedsstunde - sie war nicht offiziell bekannt - gekommen.

 

 

Im August 1966 läuft zum letzten Mal ein Personenzug in Dietfurt ein.

 

 

Text Franz Kerschensteiner

Veröffentlicht im Donau-Kurier am 11.09.1979

 

 

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