Bruderschaft aus Angst vor der Pest
Die Sebastians-Bruderschaft, die über 800 Mitglieder zählt, ist nachweislich über 500 Jahre alt. Die erste sichere urkundliche Erwähnung findet sich im Jahre 1474 in einem Stiftungsbrief des Dietfurter Bürgers Leonhard Krieger: Man soll geben „Sand Sebastian in die pruederschaft dreissig pfennig…“
Grund für die Errichtung dieser Bruderschaft war die Angst vor der Pest. Als Heiliger, von dem in Pestjahren Hilfe erfleht wurde, galt seit alters her der Hl. Sebastian, weil seiner Fürsprache das Aufhören von großen Pestepidemien in Rom, Mailand und Lissabon zugeschrieben wurde. In den folgenden Jahrhunderten ließ der Eifer in Dietfurt nach, so dass die Bruderschaft wieder erlosch.
Erst in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges und den damit verbundenen Pestzeiten erinnerte man sich wieder an diese alte Einrichtung. Die Neugründung erfolgte am 12. November 1638 durch den damaligen Stadtpfarrer Groß und den Dietfurter Rat. Am 16. Mai 1643 konfirmierte Bischof Marquard von Eichstätt Satzungen und Statuten dieser Bruderschaft, die „vor mehr als zweihundert jahren unter dem namen des großen heiligen und martyrers in der kirchen St. Aegidii zu Dietfurth aufgericht und angestellt gewesen, aber bei den mühseligen zeiten der entstandenen ketzereien und religionsirrthumben in unserem lieben vaterland wiederumb erlosch und zu grund gegangen war“.
Aus der Anmerkung „vor mehr als 200 Jahren“ ergibt sich, dass die Vereinigung etwa um das Jahr 1440 erstmals gegründet wurde. Papst Urban verlieh der Dietfurter Bruderschaft verschiedene Ablässe. Christoph Groß kam später als Stadtpfarrer nach Beilngries. Auf seine Initiative hin ist es zu einem „Conföderationsakt“ zwischen der Walburgibruderschaft in Beilngries und der Sebastibruderschaft in Dietfurt gekommen, den Bischof Marquard am 13. Dezember 1647 bestätigte. In dieser Urkunde wurde auch bestimmt, dass die Sebastibruderschaft am Walburgistage nach Beilngries und die Walburgibruderschaft auf Sebasti nach Dietfurt ziehen sollte. Wie lange diese gegenseitigen Prozessionen stattfanden, ist nicht bekannt.
Schon seit Jahrhunderten hat die Bruderschaft auch eine eigene Kapelle in der Dietfurter Pfarrkirche, die heutige Seitenkapelle. Sie wird zum ersten Mal 1602 als „auf der krixt (Gruft)“ erwähnt. Schon damals befand sich in ihr der Sebastiansaltar. Der heutige Bruderschaftsaltar stammt aus dem Jahre 1751. Er wurde vom Dietfurter Schreiner Georg Reindl gefertigt. Auch der Stuck der Kapelle wurde von der Bruderschaft bezahlt. Die Rechnungen der Sebastiansbruderschaft führen im Jahr 1735 den Betrag von acht Gulden an, die dafür ausgegeben wurden.
Eindrucksvoll ist auch das Deckengemälde der Kapelle. Römische Bogenschützen durchbohren den Hl. Sebastian. Darüber erscheint ein Engel mit dem Siegeskranz.
Auch heute noch feiert die uralte Sebastians-Bruderschaft ihr alljährlich wiederkehrendes Fest.

Der 1751 vom Dietfurter Schreiner Reindl gefertigte Bruderschaftsaltar. Das Altarbild zeigt den Hl. Sebastian, der Pestkranken zu Hilfe kommt. Interessant ist die alte Darstellung der Stadt Dietfurt.

Das eindrucksvolle Deckengemälde in der „Sebastianskapelle“. Bogenschützen des römischen Kaisers Diokletian durchbohren den an einen Baum gefesselten Heiligen mit ihren Pfeilen. Darüber erscheint ein Engel mit dem Siegeskranz.
Text und Fotos Franz Kerschensteiner
Veröffentlicht im Donau-Kurier am 23.01.1981 |