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  Das "Kapellmoidla"-Haus  
     
 

Stiftung für „Personen weiblichen Geschlechts und unbescholtenen Rufs“

 

Mit dem Abbruch des Hauses Nr. 7 in der Hafnergasse Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts verschwand in Dietfurt nicht nur eines der älteren Häuser, sondern auch ein Stück Geschichte. Bis in die sechziger Jahre war es den meisten Ortsbewohnern als „Kapellmoidla-Haus“ bekannt. Der Name leitete sich von der kleinen Hauskapelle und den ehemaligen Bewohnern ab. Der offizielle Name des Anwesens war Kemetherstiftung. Diese 1883 errichtete Wohltätigkeitsstiftung bot „alleinstehenden Personen weiblichen Geschlechts und unbescholtenen Rufs“ Aufnahme.

Der Name geht auf die Stifterin Maria Kemether zurück, die in ihrem noch erhaltenen Testament vom 14. März 1883 diese Einrichtung schuf. Zwei Jahre nach dem Abbruch 1981 hätte man das 100jährige Bestehen feiern können. Weiter heißt es im Testament: „Das Vermögen, über welches ich dieses Testament errichte, gehört nur dem Namen nach mir. Es war mir von verschiedenen Personen nur anvertraut zur Errichtung dieser Stiftung.“

In der Regel wurde das Anwesen von vier Frauen bewohnt. Sie hatten ein paar Kühe im Stall und bewirtschafteten einige Felder und Wiesen und erwarben sich so ihren Lebensunterhalt.

Die ersten beiden Nutznießer der Stiftung, Theresia Schweiger und Walburga Weißmann, beide Bauerstöchter aus Laimerstadt, berief Maria Kemether noch zu ihren Lebzeiten. Sie starb 1892. Diese beiden erhielten das Recht, mit Zustimmung des Stadtpfarrers weitere Insassen aufzunehmen.

Eine weitere Testamentsbedingung war, „daß das Zimmer rechts vom Eingang dem öffentlichen Besuch geöffnet bleiben muß, bis eine eigene Kapelle für das in diesem Zimmer stets würdig aufzubewahrende Bild von der Immerwährenden Hilfe beschafft würde“. Den kleinen Altar dieses Andachtsraums nahm die letzte Insassin Anna Adler bei ihrem Wegzug 1975 mit.

 

 

Mit dem Abbruch des Hauses in der Hafnergasse Nr. 7 verschwand in Dietfurt nicht nur eines der älteren Häuser, sondern auch eine fast 100jährige Wohltätigkeitsstiftung für „allein stehende Personen weiblichen Geschlechts“.

 

Das abgebrochene Haus in der Hafnergasse war nicht das ursprüngliche Anwesen. Bis zum Jahre 1915 befand sich die Stiftung in einem Haus mit Stadel, das in der Nähe des heutigen Kaufhauses Mayr stand. Damals wurde das Gelände zur Straßenerweiterung benötigt und abgebrochen. Im gleichen Jahr erhielten die Insassen dafür das Haus Nr. 209 in der Nähe des Kindergartens, das heutige Benefiziatenhaus. 1927 erfolgte ein letzter Wechsel. Die „Kapellmoidla“ zogen in das Anwesen in der Hafnergasse.

Als die letzte Vorsteherin, Anna Adler, im Jahre 1975 wegzog, wurde die Hofstätte im Einvernehmen mit der katholischen Kirchenverwaltung in eine öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts umgewandelt. Das Haus konnte jetzt veräußert werden, das Geld wurde festverzinslich angelegt. Das Grundvermögen sollte weiter erhalten bleiben. Der erzielte Nutzen geht an die Ambulante Krankenpflege Dietfurt.

In Zukunft wird nur noch die Grabstätte der „Kapellmoidla“ auf dem Dietfurter Friedhof, die sich rechts neben dem Haupteingang befindet, auf diese fast 100jährige Stiftung hinweisen. Auch die Gründerin Maria Kemether liegt dort begraben.

 

 

In Zukunft erinnert nur noch die stets gepflegte Grabstätte an der Friedhofsmauer in Dietfurt an die „Kapellmoidla“. Auch die Stifterin Maria Kemether, die 1892 starb, ist dort begraben.

 

 

Text und Fotos Franz Kerschensteiner

Veröffentlicht im Donau-Kurier am 14.04.1981

 
     
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