Katholische Kirche St. Maria

Die Marienkirche
Foto: Foto Rösch, Dietfurt
Baugeschichte
Mit dem Bau der Kirche wurde 1454 begonnen. Die Gründung erfolgte aller Wahrscheinlichkeit nach durch Martin I. von Wildenstein, den bedeutendsten Vertreter des berühmten Nordgaugeschlechtes. Martin, dem viele Orden und Klöster reiche Stiftungen verdanken, starb 1466. Sein Grabstein ist in der Kirchenruine von Gnadenberg noch erhalten. 1460 erteilte der päpstliche Legat Kardinal Bessarion auf Bitten des Ritters Martin von Wildenstein der Kirche einen Ablass.
Die älteste Beschreibung der Kirche lieferte uns der Eichstätter Generalvikar Priefer 1602. Er schreibt von drei Altären, die zum Teil dringend renoviert werden müssten. Weiter berichtet er, dass das Gotteshaus sehr verfallen sei und dringend der Ausbesserung bedürfe.
Aus dieser gotischen Anlage sind noch einige bedeutendere Kunstgegenstände erhalten. Die beiden schönsten befinden sich heute allerdings in der Pfarrkirche: Eine Madonna (Ende des 15. Jahrhunderts) und ein Steinrelief des Eichstätter Bildhauers Loy Hering.
Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche mehrmals umgebaut und mit barocker Ausstattung versehen. 1744 zerstörte ein starker Sturm den ursprünglich höheren Turm. Noch im gleichen Jahr errichtete man ihn in der heutigen Form. 1748 wurde die Kirche durch Maurermeister Niggl generalüberholt, barockisiert, am 17. Juni 1752 neu geweiht. In diesem Jahr entstanden auch die beiden Seitenaltäre.
1771 musste erneut renoviert werden. Der Dachstuhl musste erneuert werden und der Eingang in die Kirche wurde verlegt. Das ehemalige gotische Portal ist an der Ostseite unter dem Putz noch erhalten. Das schwere Eisengitter stammt aus der Werkstätte des Dietfurter Schlossermeisters Ortler. Die geschnitzte Türe schuf der Dietfurter Schreiner Proll.
Bei der Frauenkirche befand sich ehemals der Friedhof. Erst um das Jahr 1626 entstand der jetzige Dietfurter Friedhof. Bis zur Säkularisation im 19. Jahrhundert wurden vereinzelt Tote aber weiter auf den beiden alten Friedhöfen begraben.
1979 erfolgte die letzte große Renovierung, bei der sich herausstellte, dass ursprünglich die Innenwände ganz mit Fresken bedeckt waren. Die Freilegung scheiterte an den zu hohen Kosten.
Zwei Jahre dauerten die Renovierungsarbeiten an der Dietfurter Frauenkirche. Im Jahre 1977 beschloss die Kirchenverwaltung, dem rasch fortschreitenden Verfall dieses Kleinods heimischer Baukunst Einhalt zu gebieten. Die Finanzabteilung des bischöflichen Ordinariats Eichstätt bewilligte für das Renovierungsvorhaben einen Zuschuss von 60 Prozent der Gesamtkosten. Das Landesamt für Denkmalpflege und der Landkreis Neumarkt gewährten jeweils 10000 DM, und der Bezirk Oberpfalz steuerte 3300 DM bei. Die Spendefreudigkeit der Dietfurter erbrachte 30000 DM. Den Rest der ca. 360000 DM Renovierungskosten musste die Pfarrei selbst aufbringen.
Die neue Außenfassade wurde nach dem ursprünglichen Außenputz gestaltet, der bei Befunduntersuchungen zum Vorschein kam. Der Turm erhielt ein neues Kupferdach. Der Mauerbogen im Innern des Gebäudes und verschiedene Fundamente erforderten aufgrund ihrer Brüchigkeit ein statisches Gutachten. Dementsprechend wurde der Mauerbogen aufgehängt und verspannt. Die Freilegung im Kircheninneren vermuteter Fresken scheiterte an den Kosten von etwa einer Million DM. Die Probefreilegungen wurden fotografisch festgehalten und dann die Übertünchung der Wände angeordnet. In den Fensternischen zeigten sich bei einigen Freilegungsversuchen hauptsächlich Blumenmuster, während die Wände mehr figürliche Darstellungen schmücken. Altäre, Bilder und Figuren bedurften dringend der Reinigung. Brot war neben Spiritus dabei ein sehr gutes Hilfsmittel, um den vergoldeten Altarteilen durch Abreiben neuen Glanz zu verleihen. Nur Stellen, an denen das Blattgold bereits gänzlich zerstört war, mussten neu vergoldet werden. Die nicht vergoldeten Holzflächen der Altäre wurden mit Spiritus eingesprüht und abgewaschen. Anschließend mussten die Risse in den alten Brettern sauber verkittet werden, bevor die ganze Fläche neu schelllackiert und eingewachst wurde. Die zum Teil herrlichen Grabsteine im Kirchenboden (Motive der Werkstatt Loy Herings) fanden an den Wänden des Gotteshauses einen geschützteren Platz.

Durch Abreiben mit Brot verleihen die Restauratoren den vergoldeten Altarteilen neuen Glanz.
Foto Franz Kerschensteiner
Lage und Außenbau
Die Kirche liegt in der ehemaligen "Unteren Vorstadt" außerhalb des mittelalterlichen Mauerringes. Der eigentümliche polygonale Abschluss im Westen dürfte durch die Straßenführung bedingt sein. Drei spitzbogige Fenster lassen die ursprünglich gotische Anlage erkennen. Im Erdgeschoss des Turmes befindet sich die kleine Sakristei. Der Turm selbst ist im Oberteil achteckig und schließt mit einer Kupfer gedeckten Laterne ab.

Die Marienkirche innen
Innenraum und Ausstattung
Im eingezogenen Chor haben sich noch acht gotische Runddienste erhalten, von denen vier im 3/8-Chorschluss bis zum Boden reichen. Tonnengewölbe mit Stichkappen. Eine gute Arbeit ist das kleine Deckenfresko im Chorraum: Maria schützt die Welt vor dem Strafgericht Gottes. Auf dem Bild ist nicht, wie sonst üblich, Gott Vater als Strafender dargestellt, sondern Christus. Im einschiffigen, flach gedeckten Langhaus lassen drei Fenster die ehemaligen gotischen Spitzbögen erkennen, die anderen sind barocke Rundbogenfenster.

Deckenfresko im Chorraum der Marienkirche
Der wertvolle Hochaltar mit vier gedrehten, Weinlaub umwundenen Säulen stammt (mit Ausnahme der Figurengruppe) aus dem Jahre 1685, was eine bemerkenswerte, bisher unbekannte Inschrift beweist, die bei der letzten Renovierung zum Vorschein kam, als der Tabernakelaufbau entfernt wurde: "1685 Ist dieser Choraltar gott dem Allmächtigen und seiner jungfraulichen Mutter Maria zu Ewigen Lob, den heyligen Jungfrauen unnd Martyrinnen Catharina und Margaretha zu Ehren Aufgerichtet worden." Als Stifter werden der in Dietfurt geborene Franziskanerbruder Fridolin Halther und die Witwe Anna Hyltnerin, eine ehemalige Bäuerin aus Premerzhofen, genannt. Zwei weitere kleine Tafeln berichten von einer neuen Fassung des Altars im Jahre 1859 durch den Maler Jakob Wirsching aus Dietfurt.

Als der Tabernakelaufbau entfernt wurde, kam eine bemerkenswerte, bisher unbekannte Inschrift zum Vorschein. Sie stammt aus dem Jahre 1685.
Foto Franz Kerschensteiner
Die herrliche Figurengruppe im Altarschrein von 1767 stammt vom Parsberger Bildhauer Hans Georg Waller, der auch in der Pfarrkirche arbeitete: Maria thront auf Wolken, die Rechte um das Christkind gelegt, das auf der Weltkugel neben ihr steht. Es handelt sich um eine Stiftung des Dietfurter Ratsherrn Thürmer.

Das kostbare Gnadenbild der Marienkirche, 1767 von Hans Georg Waller
Bei den Seitenaltären teilten sich der Dietfurter Schreiner Jäger und der schon erwähnte Parsberger Bildhauer Waller 1752 die Arbeit. Der linke Altar ist, wie der Hochaltar, der Muttergottes geweiht, der rechte der Heiligen Familie. Drei der Altarbilder (Hl. Maria, Hl. Nepomuk, Hl. Magdalena) waren schon vor 1752 in der Kirche, das Bild der Hl. Familie ist neueren Datums. Ursprünglich war der rechte Altar den 14 Nothelfern geweiht (Visitationsbericht von 1602). Das schöne Altarblatt ist erhalten und hängt unter dem Kreuz an der rechten Langhauswand.
Die Kanzel mit den vier Evangelistensymbolen ist eine gute Arbeit vom Ende des 17. Jahrhunderts. Bemerkenswert sind die Grabsteine an der Rückwand des Gotteshauses. Bis zur Renovierung von 1979 waren sie im Fußboden eingelassen. Links neben dem Eingang Renaissance-Grabstein des Dietfurter Pfarrherrn Johann Mercl (gestorben 1587) mit Kniestück eines Priesters, der den Kelch segnet; von Bedeutung wegen des Nachklingens der Motive aus der Werkstatt des Renaissanceplastikers Loy Hering in Eichstätt. Rechts neben dem Eingang schöner Grabstein des Benefiziaten Georg Perstl, ehemals Pfarrer zu Hainsberg (gestorben 1615), aus Solnhofener Stein. Eine sehr schöne Arbeit ist auch der Grabstein der Jungfrau Maria Salome von Thierheim (gestorben 1618).

Grabstein für Pfarrer Johann Mercl (gestorben 1587) in der Marienkirche
Zusammengefasst aus: Dietfurt an der Altmühl; Schnell, Kunstführer Nr. 1211, Herausgeber Dr. Hugo Schnell und Dr. Paul Mai, 1. Auflage (München 1980) S. 9-14
sowie Artikeln von Franz Kerschensteiner,
veröffentlicht im Donau-Kurier am 07.04.1979 und 11.05.1979
Alle Fotos ohne Angabe Verlag Schnell & Steiner München, Gregor Peda |