Die Kirche des Franziskanerklosters

Die Franziskanerkirche mit Vorhof
Foto Ermin Döll
Geschichte
Die Errichtung des Klosters geht auf den Dietfurter Gastwirt und Bürgermeister Johann Huebmer zurück. Er schenkte 1658 den Franziskanern einen drei Tagwerk großen Garten zur Erbauung eines Klosters. Am 11. September 1660 wurde der Grundstein gelegt. 1665 war der Klosterbau so weit fertig, dass die ersten Franziskaner einziehen konnten. 1667 war auch die Kirche vollendet. Am 3. Juli wurde sie vom Bischof von Eichstätt eingeweiht. Baumeister der Kirche wie des Klosters war der bekannte Ordensmaurermeister Fr. Hugolin Partenhauser. Seit 1680 finden in der Kirche fast alljährlich die Ölbergspiele statt. 1715 wurde Dietfurt Noviziatskloster der bayerischen Franziskaner. Im gleichen Jahr baute man den Noviziatstrakt entlang der Laber. 1717 entstand die Antoniuskapelle. 1766/67 wurde die zu klein gewordene Kirche an der Portalseite verlängert, darüber der Mönchschor errichtet und daneben die Bibliothek angebaut.
1802 kam die Säkularisation und die bayerische Regierung hob mit allen bayerischen Klöstern auch das Kloster Dietfurt auf. Die Bürger machten eine Eingabe an den Kurfürsten zur Erhaltung des Klosters, jedoch ohne Erfolg. Das Kloster wurde aber ein so genanntes Zentralkloster, in dem die alten Franziskaner bis zu ihrem Tod bleiben sollten. Als König Ludwig I. den Thron bestieg, erreichte eine Abordnung Dietfurter Bürger bei ihm die Zusicherung, dass das Kloster weiter bestehen solle. Am 27. Juni 1827 konnten „unter großem Zulauf des Volkes“ wieder vier Novizen eingekleidet werden. 1846 wurde der Klosterfriedhof errichtet.
Die gründliche Innenrenovierung von 1873 bis 1875 veränderte die Kirche im Geschmack der damaligen Zeit. In den barocken Raum kamen Altäre und Kanzel im neuromanischen Stil, dazu Nazarener Bilder. 1926 entstand im Garten das neue Noviziatshaus. 1963/64 erfolgte eine Renovierung der Kirche. 1976-1978 entstand neben dem Konventsgebäude ein Meditationshaus, das von den Franziskanern geleitet wird.

Die Franziskanerkirche innen
Klosterkirche
Durch einen stimmungsvollen Vorhof gelangt man zum Eingang des Gotteshauses. Das Innere ist ein schlichter einschiffiger Raum im Mendikantenstil mit einfacher Barockausstattung. Der Säulenhochaltar (um 1700) wird flankiert von Barockstatuen der unbefleckt empfangenen Gottesmutter Maria (Immaculata) und des Hl. Michael. Das Altargemälde wurde erst bei der Renovierung 1963/64 von Sebastian Heusinger, München, geschaffen. Es zeigt den Kirchenpatron, den Hl. Apostel Johannes, wie er unter dem Kreuze steht und die Gemeinde auf den Gekreuzigten hinweist.
Die Seitenaltäre konnten von einer aufgelassenen Kirche in Velburg erworben werden. In der Muschelnische des linken Seitenaltars ist eine spätgotische Marienstatue zu sehen, die sich früher im Stiegenhaus des Klosters befand. Sie ist wohl das bedeutendste Kunstwerk im Gotteshaus. Auch die Franziskusstatue auf dem rechten Seitenaltar und die Antoniusfigur in der Seitenkapelle sind bei der Renovierung 1963/64 vom Kloster in die Kirche übertragen worden.

Hl. Michael am Hochaltar der Franziskanerkirche

Gotische Madonna am linken Seitenaltar der Franziskanerkirche
Sehr schön gemalt sind die zwölf Apostelbilder an den Wänden des Langhauses, vielleicht Werke des Münchner Malers Dominikus Scheftlhuber (gestorben 1728), der für Kirche und Kloster arbeitete. Von der Erneuerung der Kirche 1873 stammen die Gemälde an der Flachdecke des Langhauses. Die drei großen stellen (begleitet von kleinen Szenen aus dem Leben des Ordensgründers) dar: Franziskus bittet den Heiland um den Prtiunkulaablass; die Hl. Klara wehrt mit dem Allerheiligsten die Sarazenen ab, die ihr Kloster erstürmen wollen; die Hl. Elisabeth zeigt ihre Liebesgaben, die sich in Rosen verwandelt haben.
In der Fastenzeit wird das Hochaltarbild entfernt; es öffnet sich eine Altarbühne, auf der ein Ölbergspiel stattfindet, ein kostbarer Überrest der geistlichen Spiele des Mittelalters und der Barockzeit, das 1680 in der Klosterkirche eingeführt wurde und sich bis zum heutigen Tag erhalten hat. Jeden Donnerstag in der Fastenzeit strömen die Gläubigen von nah und fern zusammen, hören zuerst eine Fastenpredigt und wohnen dann der dramatischen Ölbergandacht bei.

Kruzifix in der Franziskanerkirche
Zusammengefasst aus: Dietfurt an der Altmühl; Schnell, Kunstführer Nr. 1211, Herausgeber Dr. Hugo Schnell und Dr. Paul Mai, 1. Auflage (München 1980) S. 12-17
Text P. Gangolf Diener OFM und Franz Kerschensteiner
Alle Fotos ohne Angabe Verlag Schnell & Steiner München, Gregor Peda

Klosterkirche von Norden |