Aus der Geschichte der Töginger Herrschaft

Vor der Kulisse des renovierten Schlosses in Töging,
Kirchenzug mit historischen Gruppen anlässlich des 275. Pfeiferjahrtages 1997
Ein Blick in die Töginger Chronik zeigt die ehedem überörtliche Bedeutung der Ortschaft auf. Adelige lassen sich in Töging bereits seit dem Jahre 1122 nachweisen, Hadmar und Wernher von Töging. Später bekleideten die Herren von Töging das Schenkenamt der mächtigen Grafen von Hirschberg. Die älteste Urkunde, die sie als Schenken bezeichnet, stammt von 1245. Eine Güterteilung führte zur Anlage von zwei Edelsitzen. Das Schloss der Schenken lag bei der heutigen Pfarrkirche, der zweite Sitz bei der Peterskirche.
Im 14. Jahrhundert besaßen ihn die Angelberger. Um 1415 kaufte Mathes, Schenk von Töging den Angelberger Burgstall von Hermann Bechthaler zurück. Damit war Töging wieder zu einer Herrschaft vereinigt. Mathes, der letzte Schenk von Töging, hatte keinen Sohn. Das soll nach der Chronik einer der Gründe gewesen sein, dass er ein sehr aufwendiges Leben führte und seine Besitztümer verschleuderte. Sein Schwiegersohn Eberhard von Ödenberg berichtete 1517 vor Gericht, dass sein Schwiegervater sehr viele Schulden habe. Die Schulden seien bereits höher als der Wert der Güter. Zuletzt sei er so in Armut gekommen, dass ihm kein Wirt mehr borgen wollte, und er habe „also an essen und trincken mangel gelitten und sei wie ein armer Mensch umbgangen“.
Die zahlreichen Gläubiger baten Eberhard von Ödenberg, seinen Schwiegersohn, die Herrschaft zu übernehmen. Mathes stimmte schließlich zu, und Eberhard wurde 1517 von Herzog Wilhelm von Bayern und dem Markgrafen Casimir von Ansbach mit dem ihnen zustehenden Lehen belehnt. 1542 stimmte auch der Bischof von Eichstätt zu.
Unter der Regierungszeit des Eberhard von Ödenberg wurde das heutige Schloss anstelle der mittelalterlichen Burganlage errichtet. Das Ansehen Eberhards war groß, und der damalige Kaiser verlieh ihm sogar ausdrücklich die Halsgerichtsbarkeit für seine Herrschaft Töging. Als sein Sohn und Nachfolger Ulrich Pfleger in Dollnstein wurde, verkaufte dieser mit Zustimmung seiner zwei Brüder und seines Schwagers Hans Wilhelm von Hegnenberg die Töginger Herrschaft 1584 um 40450 Gulden an den Bischof von Eichstätt.
Zur Zeit des Verkaufes gehörte der halbe Teil des Schlosses mit zwei Stadeln, zwei Gärten, Schäferei auf 500 Stück und Jagdgerechtigkeit auf Hasen, Füchse und Störche den Hegnenbergern. Den anderen Teil des Schlosses mit Zwinger, Graben und zwei Gärten besaßen die Ödenberger. Töging wurde jetzt Sitz eines Richteramtes.

So in etwa wie auf dieser Schützenscheibe präsentierte sich der hochragende Schlossbau, als er früher ein Schmuckstück Tögings war.
Mit der Säkularisation und dem Anschluss an Bayern verlor Töging endgültig seine in vielen Jahrhunderten gewachsene historische Bedeutung, seine Ämter und auch die Marktrechte. Der bayerische Staat vermietete das Schloss an Private.
Die Rettung des Töginger Schlosses als historisches Gebäude stand jahrzehntelang zur Diskussion. Ende 1910 stürzte der nordwestliche Schlosstrakt unter donnerähnlichem Krachen in sich zusammen, worauf behördlicherseits die Räumung des ganzen Baues angeordnet wurde. Vier Familien mussten ausziehen.
Die Überreste des ehemaligen Edelsitzes sollten, laut Beschluss der Oberbaupolizei, abgebrochen werden. Diesem Plan, der damals in der Presse mit Bedauern als Verschandelung des Ortsbildes erörtert wurde, stellten sich allerdings große Schwierigkeiten in den Weg, weil die Aufstellung von Abbruchgerüsten an dem hochragenden Bauwerk nicht ratsam erschien und zudem auch die Nachbargebäude durch die Niederlegung gefährdet waren. Auch von der Absicht, das Schloss durch Pioniere sprengen zu lassen, kam man im darauf folgenden Jahr wieder ab.
So flickte man das altehrwürdige Gebäude wieder zusammen, so gut es eben ging. Mit den Worten aus der Bibel „Alle Schönheit ist von dir gewichen“ charakterisierte Domkapitular Bucher, der Geschichtsforschung in der Diözese betrieb, in der Zeitschrift „Die Oberpfalz“ im Jahre 1920 den Zustand des Töginger Schlosses.

Ende 1910 war bereits der Nordflügel des Schenkenschlosses zusammengestürzt, von dem dann nur noch einige kümmerliche Mauerreste standen.
Auch die Befürworter eines Abbruches gaben zu, dass durch diese Maßnahme das historisch gewachsene Ortsbild der Ortschaft weiter demontiert würde. Diese „Zerstörung“ Tögings begann mit der Säkularisation, als die Gemeinde zu Bayern kam und ihren Status als Markt und Sitz eines Richteramtes verlor. 1821 wurde der obere Torturm des Marktfleckens, der beim Zehentstadel stand, abgebrochen. 1830 folgte das Torgebäude in Richtung Beilngries wegen Baufälligkeit. Nachdem ein Teil dieses Turmes niedergelegt war (dabei verunglückte sein Besitzer Franz Xaver Gieser schwer), unterblieb die Zerstörung des Restes ein ganzes Jahr, da die meisten Ortsbewohner nicht wollten, dass auch dieses Torgebäude gänzlich aus dem Ortsbild verschwinden würde.
Die Mehrheit der Töginger forderte eine Renovierung. Der damalige Pfarrherr schrieb in die Chronik: „Aber man konnte die Mittel für eine Renovierung nicht aufbringen und mußte sich in das Unvermeidliche schicken. Es kam zuletzt noch zu einem Prozess, der damit endigte, dass die Gemeinde verpflichtet wurde, den bisherigen Bewohnern des Turmes ein neues Haus zu bauen, das mehr kostete, als die Instandsetzung des Turmes beansprucht hätte: Auch ein Schildbürgerstückchen!“
In den folgenden Jahren des 19. Jahrhunderts fiel dann der größte Teil der Ringmauer des Herrensitzes mit den bastionsartigen Halbtürmen und der Bergfried aus dem 13. Jahrhundert der Spitzhacke zum Opfer.
Schließlich konnte das Schloss der Schenken aber dann doch von der Stadt Dietfurt erworben und 1985 mit einer hohen Kostenbeteiligung des Landesamtes für Denkmalpflege und einer Bezuschussung durch den Kreistag in der Amtszeit Rupert Faltermeiers als Bürgermeister mit 3,2 Millionen DM renoviert werden.

„Schlossherr“ Rupert Faltermeier, in dessen Amtszeit als Bürgermeister das Schloss der Schenken mit 3,2 Mio. DM renoviert wurde.
Text und Fotos nach Franz Kerschensteiner,
teilweise veröffentlicht im Donau-Kurier am 27. November 1982, sowie in
Dietfurt an der Altmühl - Ein Porträt der Großgemeinde zur Jahrtausendwende, Bildauswahl und Textbeiträge: Hans Hutter, Franz Kerschensteiner (Horb am Neckar 2000)
Burgeninventar - Schloss Töging
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