Brandbekämpfung mit Feuerkübeln
Bis zum Jahre 1782, als in Dietfurt die erste Feuerspritze angeschafft wurde, dienten den Bürgern der "kurfürstlichen bayerischen Stadt" lediglich so genannte Feuerkübel zur Brandbekämpfung. Brach irgendwo ein Feuer aus, so stieß einer der Turmwächter oder der Dienst habende Nachtwächter in sein Horn. Sofort eilten Männer und Frauen zu den Wasserstellen, und in Windeseile wurden die mit Wasser gefüllten Ledereimer in einer Kette von Hand zu Hand bis zur Brandstelle gereicht. Diese Feuerkübel wurden normalerweise auf dem Rathaus aufbewahrt. Übrigens musste jeder Neubürger zumindest einen halben Feuerkübel bei der Bürgeraufnahme bezahlen. So meldet die Stadtkammerrechnung für den Jahresanfang 1782 noch 80 Löschkübel. Da aber "bey der in der Georg Lindnerischen und so auch Gregori Gartnerischen Behausung in dem Kamine ausgebrochenen Feuers Brunst jedes Mal diebischer Weise ein Feuerkibel entwendet worden, also werden diesorts in abgang gesetzt die nicht mehr zum Vorschein gekommenen zwei Kibel. Seynd also noch bei der Stelle 78 Feuer Kibl" (Ende 1782).
Trotz der chronisch schwachen Finanzlage der Stadt zwang eine Regierungsanordnung die Dietfurter Stadtväter 1782 zum Kauf einer Feuerspritze. Sie wurde beim Glockengießer Johann Florito in Straubing, dem Sitz des Rentamtes, in Auftrag gegeben. Der Preis von 160 Gulden machte den Ratsherrn arges Kopfzerbrechen. Zuerst dachte man an eine Umlegung des Betrages auf die gesamte Bürgerschaft. Doch wurde dieser Gedanke bald wieder verworfen, weil die Verantwortlichen Angst vor dem Bürgerzorn hatten. Nach langem Überlegen fand man einen Ausweg: "Den 13. Juny 1782 empfangt von der allhiesig löblichen Sanct Salvatoris Capell die diesortige Stadt-Kammer zu Beyschaffung einer neuen Feuer-Spritzen, und weil man hiesige Bürgerschaft mit einer Anlag hierzu anzuhalten sich nicht getraute ein Capitel zu 160 Gulden." Das uralte Benefizium der Salvatorkirche bei der Herrenmühle musste also damals zur Finanzierung herhalten.
Als aus Straubing die Nachricht eintraf, dass die neue Spritze aus Messing fertig war, machten sich Bürgermeister Lorenz Dirnhammer, Jakob Weber, der Büchsenmacher Anton Steinhauser und der Schlosser Lorenz Higler dorthin auf den Weg, um sie abzuholen. Sie waren vier Tage zu Pferde unterwegs und hatten "laut anliegenden Freß-Zettel auf der Reiß verzöhrt 12 Gulden 23 Kreuzer." Auch der Wegzoll von 24 Kreuzern, der beim Durchreiten der Städte auf dieser Strecke entrichtet werden musste, ist in der Kammerrechnung getreulich festgehalten. Außerdem erhielt der Bürgermeister als Futtergeld für seine Pferde noch extra 6 Gulden. Nach einer ersten Probe des neuen Gerätes gaben sie den Transport einem Straubinger Lohnfuhrwerker für 6 Gulden und 30 Kreuzer in Auftrag, der sie nach Hemau lieferte. Dort holte sie dann Lorenz Higler mit einem Wagen um den Fuhrlohn von 30 Kreuzern ab.
Diese "Feuerspritze" scheint dann bis zum Jahre 1871 ihre Dienste getan zu haben. Im Februar 1871 fasst man dann den Beschluss, dass "die sich in unbrauchbarem Zustand befindende Feuerspritze zum Metallwert verkauft und eine neue Spritze im Wert von 400 Gulden angeschafft wird".
Dieses neu angeschaffte Gerät befindet sich heute immer noch im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr Dietfurt. Nach einigen Jahrzehnten erwarb Dietfurt eine weitere Feuerspritze, die aber immer noch von Hand betrieben wurde.

Kommandant Karl Gaag (links) und Feuerwehrvorstand Josef Mittermeier demonstrieren die Handhabung der ältesten noch erhaltenen "Feuerspritze" Dietfurts. Sie wurde 1871 in Dienst gestellt.
Im Jahre 1935 schlug der Blitz in den nahezu 60 m hohen Turm der Pfarrkirche. Die Dietfurter Feuerwehr erreichte mit dem handbetriebenen Gerät den Brandherd nicht mehr. So musste die Parsberger Feuerwehr, die bereits über eine Motorspritze verfügte, zu Hilfe gerufen werden. Dieser Notfall war dann mit der Anlass, dass auch die Feuerwehr der Siebentälerstadt im Jahre 1937 eine Motorspritze erhielt.
Text und Foto Franz Kerschensteiner
Veröffentlicht im Donau-Kurier am 04. Dezember 1982 |