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  Einbaum  
     
 

                                     

 

Wie eine mächtige Pappel zum Einbaum wird

 

Da lagen sie nun, die sieben Meter langen riesigen Stämme zweier Pappeln, jeder zwischen vier und fünf Tonnen schwer, am Töginger Anger gefällt und unter größten Mühen auf den Platz vor dem bronzezeitlichen Langhaus geschafft. Ob es gelingt? Aus einem wollten die Leute der Alcmona einen Einbaum hauen. Kritisch beäugte Lothar Breinl, experimenteller Archäologe, die Monstrümmer, wägte ab und entschied sich. Zehn Mann griffen zu Stangen, setzten an und drehten den tonnenschweren Rundling in die richtige Lage. Der Fachmann überzeugte sich noch einmal, griff zur Sprühdose und setzte eine Markierung. Dann erdröhnten Motorsägen und rückten dem oben liegenden Stammteil zu Leibe. "Das wird dann die Oberkante des Einbaums, ab hier wird ausgehöhlt", erklärte der Fachmann, der nach eigenem Bekunden schon an die zwanzig Einbäume hergestellt hat. Kräftige Axthiebe schlagen inzwischen große Holzteile ab und der Stamm hat eine ebene Fläche bekommen. Wie bauten die Leute der Steinzeit einen Einbaum? "Sie suchten sich in den Wäldern einen Baum, gerade gewachsen, ohne Äste, hauten ihn mit den Steinäxten um und schlugen einen Einbaum heraus", erklärt Breinl. Die Steinzeitmenschen werden wohl lange gebraucht und viele Klingen verschlissen haben, bis ihr Einbaum fertig war. Auch die Pappel gibt nicht so leicht ihr Holz her, es ist schwer und tropfnass, denn es darf nicht reißen. Mit einem Schnurgerät werden Mittel- und Seitenlinie aufgeschnalzt, auch der Einbaum braucht eine genaue gleichmäßige Form. Dann dürfen die Männer mit Motorsägen wieder ans Werk, sie stechen ein, sägen vorsichtig weiter und wiederholen alle zehn Zentimeter diese Prozedur. Andere Arbeiter höhlen mit scharfen Stemmeisen und kleinen Äxten den Stamm bis zu einer Tiefe von 15 Zentimetern aus. Nach dieser Kräfte zehrenden Arbeit schmeckte jedem Andreas Haußners hervorragende keltische Kürbissuppe und verlieh neue Kräfte. Die waren auch nötig, denn jetzt wurde die Einbaum-Unterseite hergestellt. Eine starke Motorsäge schnitt ein dickes Stück vom Rundling ab, die breite ebene Fläche ergab einen flachen Kiel. Das Schnurgerät schnalzte wieder die Richtlinien auf, zuviel Holz wurde abgesägt und weg gehauen, Bug und Heck geformt und ein gleichmäßiger Bootskörper war zu erkennen. Mit kleinen Schäleisen und halbrunden Stechbeiteln wurde der Kiel sauber bearbeitet und jede aufstehende Holzfaser entfernt, eine langwierige Arbeit, die nicht mehr zu schaffen war. Bei der nächsten Aktion wird das zu Ende gebracht, der Einbaum wieder gedreht und bis zur nötigen Tiefe ausgehöhlt. Nach einem Probestapellauf erst wird man sehen, wie das Boot im Wasser liegt und wo gegebenenfalls nachgearbeitet werden muss. Es bleibt also noch viel zu tun, bis der Alcmona-Einbaum auf Jungfernfahrt gehen kann.

 

 

        

 

 

 

                    

 

 

 

 

 

                   

 

 

 

 

Text Johann Grad

Fotos Rolf Wolf

Einbaum-Bau 2.Teil

 

 

 

                              

 

 

 

 

 
     
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