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  Hochwasser  
     
 

Wasserkatastrophen in den letzten Jahrhunderten

 

Seit der Altmühlregulierung in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts erreichten die Hochwasser nicht mehr die katastrophalen Ausmaße früherer Jahrhunderte. Doch bis zur Fertigstellung des Rhein-Main-Donau-Kanals überflutete das Wasser fast alljährlich noch gewaltig die tief liegenden Felder und Wiesen.

 

In weit höherem Maß litten allerdings in früheren Jahrhunderten die Bewohner des Tales unter den Überschwemmungen. Immer wieder berichten alte Dietfurter Chroniken von Wassermassen, die sich über die ganze Stadt erstreckten. Vor allem die Klosterchronik weiß von solch hohen Wasserständen. Im Jahre 1721 stand das Wasser etwa 1,60 m hoch im Klostergarten. Das Andenken an diese vielleicht größte Flut der letzten Jahrhunderte hält eine Tafel in der Klostermauer aufrecht. "Wasser Höch 1721" ist auf ihr zu lesen.

 

                                                               

 

"WASSER HÖCH 1721". Der Gärtnermeister des Dietfurter Franziskanerkonvents, Frater Carpophorus Trautner, zeigt die Tafel in der Klostermauer, auf der ein Hochwasserstand von 1,60 Meter festgehalten ist.

 

Foto: Pescheck

 

Zwanzig Jahre später sind es die Rechnungsbücher der ehemaligen Salvatorkirche, die ein verheerendes Wasser melden. Die Kirche wurde schwer beschädigt und musste ausgebessert werden.

Im Jahre 1845 verursachte ein Hochwasser im Ottmaringer Tal großen Schaden. Noch bevor die Schleusen des neu erbauten Ludwig-Kanals in Betrieb genommen werden konnten, wurden sie von den Wassermassen durchbrochen und zerstört. 1848 stieg die Laber in Dietfurt so stark an, dass das Kirchenschiff der Klosterkirche bis zu den Altären hin unter Wasser stand.

 

Eine der größten Überschwemmungen im letzten Jahrhundert war 1909. Auf den gefrorenen und tief verschneiten Boden fiel warmer Regen. Das in Massen entstehende Schmelzwasser konnte nicht versickern und führte zu dieser Überschwemmung, von der ältere Dietfurter noch viel zu erzählen wussten.

Der Februar 1909 blieb als ein Katastrophenmonat in Erinnerung. Tagelange Schneefälle und dann plötzlich einsetzendes Tauwetter verwandelten die Bäche und Flüsse in den Tälern in reißende Ströme. Aber auch die Jurahöhen blieben nicht verschont. Tief gefrorener Boden und vereiste Dolinen verhinderten ein Versickern des Wassers. Besonders in den Dörfern, die in einer Mulde lagen, stand das Wasser oft meterhoch. Sehr schlimm traf es die Bewohner von Eutenhofen und Perletzhofen. Der damalige Stadtpfarrer Bachmeier hat in der Pfarrchronik solche Hochwasserberichte aus Dietfurt und Umgebung für die Nachwelt gesammelt.

 

Bachmeier schrieb: "Am 1. und 2. Februar schneite es unaufhörlich. Am 3. Februar trat Tauwetter ein; am 4. und 5. Februar war das ganze Tal um Dietfurt überschwemmt. Das Wasser floss über die östliche Laberbrücke (bei der Rengnathmühle) weg. Die Frauenkirche war voll Wasser." Besonders betroffen war die untere Vorstadt um die Frauenkirche, da die beiden Laber die Wassermassen nicht mehr fassen konnten. Von der Klosterlaber kamen die Fluten wie ein reißender Strom durch die Gärten in Richtung Frauenkirche. Besonders gefährdet war auch das Sägewerk Rengnath, wie aus einer Dankanzeige des damaligen Besitzers im Beilngrieser Amts- und Wochenblatt hervorgeht.

 

 

Von der Hochwasserkatastrophe 1909 am härtesten betroffen war in Dietfurt die Rengnathmühle, in der das Erdgeschoss unter Wasser stand. Die Aufnahme zeigt das Anwesen während des 1. Weltkrieges.

 

 

Eine Dankanzeige im Beilngrieser Amts- und Wochenblatt vom 9. Februar 1909 lässt ahnen, welche Hochwasserkatastrophe innerhalb weniger Stunden über den Raum Dietfurt hereingebrochen war.

 

Repros: Kerschensteiner

 

Die Stadtratsprotokolle der folgenden Monate haben immer wieder die umfangreichen Zerstörungen im Gemeindebereich zum Thema: Fast alle Stege waren von den Fluten weggerissen und die Brücken beschädigt.

"In Riedenburg und in dem nahen Perletzhofen fiel zahlreiches Kleinvieh den Elementen zum Opfer. Von der Pappenfabrik in Riedenburg sollen für etwa 800 Mark Papierholz weggeschwemmt worden sein. Feuerwehren, Gendarmen und in manchen Orten auch Militär sind hilfsbereit überall am Rettungswerk tätig."

Am schlimmsten aber traf es das Juradorf Eutenhofen, wie Bachmeier in seiner Chronik weiter berichtet: "... und das Unglück schreitet schnell: Wohl seit Menschengedenken hat das sonst so ruhige und friedliche Eutenhofen noch nie solche Schreckens- und Jammertage erlebt wie die letzten Tage der vergangenen Woche. Mit unglaublicher Schnelligkeit kamen, begünstigt durch den Regen und Tauwind, die ungeheuren Schneemassen und Eisflächen als wild brausender Strom von den Höhen und aus den angrenzenden nördlichen, östlichen und südlichen Teilen des etwa zwei Stunden von hier entfernten Eichelberges und überschwemmten im Nu meterhoch fast das ganze Dorf. Am Donnerstag nachts um 11 Uhr war noch nicht die geringste Gefahr, und kurz darauf sah man nichts als Wasser und Häuser. Nirgends Rettung, nirgends Land! Die schaurigen Töne der Sturmglocken vereinigten sich mit den herzzerreißenden Klagen: "Helft uns doch, hilft uns denn niemand!?" Niemand konnte helfen; mutige Männer wollten auf einem zu einem Floß hergerichteten Scheunentor den Unglücklichen Hilfe bringen, aber bei diesem Wagnis wären die Mutigen in den reißenden Wogen bald selbst eine Beute des Todes geworden.

In dem von fast allen Seiten umspülten Gotteshause riefen die wenigen vom Wasser nicht Bedrohten den Allmächtigen um Hilfe an für die in Gefahr Befindlichen. Gottlob ging das Wasser etwas zurück. Endlich am Freitag gegen halb 4 Uhr wagte ein beherzter Bursche mit Todesgefahr in ein Bauernhaus einzudringen und viele folgten ihm nach, um wenigstens aus einem Hause die noch nicht ertrunkenen Haustiere zu retten; bald erschien auch ein Kahn, durch welchen wenigstens die Leute teilweise aus den Häusern gebracht werden konnten. Wie hoch der Schaden sich beläuft, ist daraus ersichtlich, dass das in zwei Häusern ertrunkene Vieh ohne Übertreibung auf über 2000 Mark geschätzt wird.

Von den rührenden Szenen, die sich bei dieser Wasserkatastrophe abwickelten, mögen einige wenige erwähnt werden: Ein Bauernsohn hatte seine zwei jungen Pferde, um sie zu retten, ins Wohnzimmer gebracht, er selbst stieg auf den Tisch, plötzlich aber fiel durch die Wucht des Elementes der Tisch um, und nun musste der junge Mann von 12 Uhr nachts bis nächsten Nachmittag halb 5 Uhr, also nahezu 17 Stunden, bis an den Hals im kalten Schneewasser stehen; eine Mutter rief bitterlich um Milch für ihre kleinen Kinder, ein anderer um ein Stücklein Brot, um seinen Hunger zu stillen usw. Durch den Kahn nun war es möglich, den Hungernden eine warme Suppe zu reichen, wofür dieselben heute weinend dem Schreiber dieser Zeilen dankten.

Nachdem das wilde Wasser verrauscht, kann man auf den umliegenden Feldern und Wiesen viele fortgerissene Gerätschaften wie Schäffer, Leitern, auch fort geschwemmte Baumstämme, Holzstöße, Gartenzäune liegen sehen. Nicht leicht wird eine Ortschaft der Oberpfalz so schwer geschädigt worden sein als die hiesige. Hier wäre ein dankbares Feld für unsere Herren Abgeordneten, denn nicht nur Privathilfe, sondern auch Staatshilfe ist dringend nötig. Der liebe Gott aber möge uns in Zukunft vor solch schweren Heimsuchungen gnädigst bewahren!"

 

 

Text nach Artikeln von Franz Kerschensteiner

Veröffentlicht im Donau-Kurier am 16. März 1979 u. 25. Februar 1984

 

 

 

Hochwasser gibt es auch in unserer Zeit noch. Die Aufnahme der überfluteten Umgehungsstraße entstand im Februar 2009 vom Schönblick (Wolfsberg) aus.

 
     
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