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  Wallfahrtskirche Griesstetten  
     
 

               

 

Blick über die Altmühl zur Wallfahrtskirche

 

Die Wallfahrtskirche zu den Drei Elenden Heiligen

 

Die Verehrung der "Drei Elenden Heiligen" geht bis ins 12. Jahrhundert zurück, und damit ist Griesstetten der älteste Wallfahrtsort des Landkreises Neumarkt. Das Wort "elend" bedeutete ursprünglich "ausländisch, aus der Fremde kommend".

Es waren zwei irische Benediktiner, der Priester Zimius und der Laienbruder Vimius, die um das Jahr 1140 von ihrem Kloster St. Jakob in Regensburg, welches um 1110 von Bischof Heinrich geweiht worden war, ins untere Altmühltal kamen. Die Mönche aus Irland, damals "Scotia major", hießen "Scoti". Dieser mittelalterliche Begriff wurde erst im 16. Jahrhundert mit den Schotten gleichgesetzt und besonders im 17. Jahrhundert als Argument gegen erneute irische Ansprüche benutzt. Deshalb wurden auch die "Elenden Heiligen" lange Zeit als schottische Benediktiner bezeichnet, wie in der Predigt vom Juli 1862.

Zimius und Vimius ließen sich in Einsiedel, das damals noch Ansiedel genannt wurde, nieder und erbauten sich dort mit Erlaubnis ihres Abtes Demetrius ein Haus mit einem kleinen Oratorium. Nach der örtlichen Überlieferung handelt es sich dabei um den Keller rechts am Ortseingang von Einsiedel.

Etwas später schloss sich den beiden Mönchen noch der Prior von St. Jakob, Pater Marinus, an. Die drei erwarben sich bald den Ruf als "wahre Benediktiner", so der Wortlaut aus dem Archiv des Schottenklosters St. Jakob, und als Glaubensboten in Wort und Tat waren sie im ganzen unteren Altmühltalgebiet bekannt. Viele Menschen kamen mit unterschiedlichsten Anliegen zu ihnen und bekamen Hilfe.

Als Pater Marinus 1153 starb, begruben ihn seine Mitbrüder im Oratorium in Einsiedel, woraufhin sein Grab zu einem Wallfahrtsort für die Bewohner der umliegenden Ortschaften wurde. Weil das klösterliche Leben der beiden anderen durch die vielen Besucher zu sehr gestört wurde, ließ Abt Christian III. dann in Griesstetten eine Kapelle zu Ehren des hl. Bischofs Martin errichten, in welcher der Leichnam des seligen Marinus eine neue Ruhestätte fand. Im Volk hielt sich die Legende, dass seine Gebeine flussaufwärts bis zum neu erbauten Gotteshaus schwammen.

Ein Jahr später starben dann auch Vimius und Zimius und wurden in der gleichen Kirche begraben. Bei unzähligen Wallfahrern standen die "Drei Elenden Heiligen" in den folgenden Jahrhunderten hoch in Ehren und sie baten um deren Fürsprache bei Gott in den verschiedensten leiblichen und seelischen Nöten.

 

In einem Schutzbrief Kaiser Friedrichs II. aus dem Jahr 1212 wird Griesstetten mit der Kapelle ("Gristet cum capella") und dem Einsiedelhof als Besitz der Benediktiner von St. Jakob in Regensburg erwähnt.

 

Die Erhebung der Reliquien im 17. Jahrhundert

 

Als Dietfurt während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1633 von schwedischen Truppen geplündert wurde, wurde auch die Kirche in Griesstetten stark beschädigt. Mangels Geld konnte sie nach dem Westfälischen Frieden nur notdürftig vor dem gänzlichen Verfall bewahrt werden.

Doch 1689 interessierte sich der damalige Weihbischof von Regensburg, Albert Ernest Graf von Wartenberg, sehr für die "Drei Elenden Heiligen". Auf seine Kosten wurde eine Legende der drei Mönche in deutscher Sprache verfasst und gedruckt und die Gnadenstätte erlebte eine neue Blüte. Noch im Juli des gleichen Jahres kam er persönlich zusammen mit Abt Placidus Fleming von St. Jakob nach Griesstetten und ließ in der Kirche nach den Gräbern suchen.

Tatsächlich stießen sie vor dem Altar, wo nach der Überlieferung Marinus begraben sein sollte, auf einen Sarg aus dicken Brettern. Der Deckel war bereits stark verfault, doch die übrigen Teile noch gut erhalten. Im Sarg fanden sich die Gebeine noch in ursprünglicher Ordnung und der Benediktinerhabit, eine Seidenalbe und das priesterliche Kleid waren gut erkennbar. Die Gebeine der beiden Gefährten fand man schließlich auch am überlieferten Ort.

In einem großen gemeinsamen Sarg hinter dem Hochaltar wurden die sterblichen Überreste der drei Mönche gesondert und mit dem jeweiligen Namen versehen in die Mauer eingeschlossen, "so dass sie den Gläubigen zur frommen Verehrung zugänglich waren."

 

Der Neubau der Wallfahrtskirche

 

 

Darstellung der Wallfahrtskirche vor dem Umbau des 18. Jh. im Gewölbe über dem nördlichen Seitenaltar

 

Nachdem die Mönche von St. Jakob in Regensburg den Griesstettener Meierhof irgendwann aufgegeben zu haben schienen, kauften sie ihn in der Barockzeit 1710 zurück, als die Wallfahrt in Griesstetten eine neue Blüte erlebte. Das beweist die Gedenktafel am Bauernhof oberhalb der Kirche. Das Hofgebäude wurde 1711 neu erbaut und darin auch ein Priesterseminar eingerichtet, so dass im Jahr 1718 in der Wallfahrtskirche sogar eine Priesterweihe stattfand.

Nun erwies sich das Gotteshaus bald als zu klein, und 1740 erwirkte Abt Bernard Baillie (1721-1743) von St. Jakob von Kardinal Johann Theodor, Bischof von Regensburg und Freising, die Erlaubnis zum Bau einer neuen, größeren Wallfahrtskirche.

Pater Anton Stuart vom Schottenkloster Regensburg hatte die Bauleitung inne, während die Bauausführung in den Händen des Maurermeisters Johann Georg Fuchs und des Zimmermanns Johann Schlutt, die beide aus Riedenburg kamen, lag. Die Arbeiten verzögerten sich durch Geldmangel und die Wirren des Österreichischen Erbfolgekrieges. So konnte der Bau erst 1747 unter Dach gebracht werden.

Leider zeigte sich bald darauf, dass das Chorgewölbe den ursprünglich sehr hoch gebauten Turm nicht tragen konnte, weshalb dieser 1750 zur Hälfte wieder abgerissen werden musste. Im gleichen Jahr schloss man dann sämtliche Bauarbeiten ab. Die Kosten des Baus beliefen sich auf insgesamt 3000 Gulden. Unter dem Namen "Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Martin" wurde das Gotteshaus vorläufig nur benediziert und erst am 17. September 1836 konsekriert.

Während der Bauzeit hatte man die Reliquien der drei irischen Mönche in das Dietfurter Franziskanerkloster gebracht. 1766 bekamen sie dann wieder ihren alten Platz in Griesstetten in der Mauer hinter dem Hochaltar. 1783 wurden sie in eine Mauernische auf der Evangelienseite verlegt.

Die Schottenmönche zogen sich bald nach der Vollendung des Kirchenbaus wieder aus Griesstetten zurück und verkauften den neben der Kirche gelegenen Meierhof für 6000 Gulden.

 

 

Die erneuerte Wallfahrtskirche unter dem Schutz der Drei Elenden Heiligen, Deckenkartusche über dem Triumphbogen

 

Die Fassung der Reliquien im 19. Jahrhundert

 

Drei große Reliquienkästen mit schön gefassten Wachsfiguren der "Drei Elenden Heiligen" ließ die Gemeinde Griesstetten 1849 anfertigen. Das Vorhaben, darin die Gebeine an den Seitenwänden oder an den drei Altären zur Verehrung aufzustellen, scheiterte jedoch daran, dass die Gemeinde einen eigenen Festtag für die drei Heiligen wünschte. Dafür wäre die Einleitung eines Heiligsprechungsprozesses in Rom notwendig gewesen, welcher für Griesstetten zu hohe Kosten verursacht hätte.

Doch 1858 konnte schließlich eine bischöfliche Genehmigung für die öffentliche Verehrung erwirkt werden. Der Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey erlaubte in einem Dekret vom 11. November 1861, die Reliquien neu zu fassen, sie öffentlich aufzustellen und ihnen einen Kult zu erweisen, "der durch die älteste Tradition geheiligt ist".

So wurden die Reliquien im Kloster St. Klara in Regensburg auf seine Anordnung hin neu gefasst:

Die Kaseln sind nach einem Schnitt gearbeitet, wie er zu Lebzeiten der Heiligen gebräuchlich war. Kopf und Hände der Figuren sind aus Wachs gefertigt und in der Brust einer jeden Figur ruhen die Gebeine in einem Zinksarg, der mit den bischöflichen Siegeln verschlossen ist. Die gedruckte Authentik, die auch in der Kirche links vom Eingang zu sehen ist, befindet sich in jedem der Glasschreine.

 

 

Die 1849 neu gefertigten Reliquienschreine der Drei Elenden Heiligen

 

Die feierliche Übertragung der neu gefassten Reliquien vom Franziskanerkloster in Dietfurt an ihren heutigen Platz fand am 2. Juli 1862 statt. Auf einem Gemälde neben dem Altar der drei Heiligen ist die gewaltige Prozession festgehalten.

Die Predigt, die zu diesem Anlass gehalten wurde, fand sich im Original auf einem Dietfurter Dachboden. Sie enthält interessante historische Hinweise, die in der Chronik im Anhang zu diesem Artikel zusammengefasst sind.

 

Außenbau der Wallfahrtskirche

 

Die kleine Kirche liegt nah am Ufer der ehemaligen Altmühl unterhalb der bewaldeten Jurahänge und wird vom neu geordneten Friedhof umgeben. Der Turm wirkt neben dem stark ausgeprägten Buckel der Dachsilhouette niedrig. Ursprünglich sollte er doppelt so hoch werden, doch als sich herausstellte, dass der Chor die schwere Last nicht tragen konnte, wurde er 1750 bis auf die heutige Höhe abgetragen. Die Außenfassade wird durch toskanische Pilaster, über denen ein Kranzgesims verläuft, gegliedert. Auch der Turm ist mit Pilastern versehen. Bei der letzten Renovierung wurde die ursprüngliche Farbgebung - gelb auf weißem Grund - als Architekturgliederung beibehalten.

 

Innenraum

 

 

Blick durch das Langhaus nach Osten mit den Nebenaltären des hl. Venantius (links) und der Maria Immaculata (rechts)

 

Im Inneren ist das Kirchenschiff achtseitig angelegt, wobei die Nord- und Südseite doppelt so lang sind wie die anderen. Eine Flachkuppel mit Stichen ruht auf verkröpften ionisierenden Pilastern mit starkem Gebälk. Östlich schließt sich der vierseitige Chor ans Schiff an, welcher Kreuzgewölbe trägt. Die Flachkuppel des Kirchenschiffs ist mit zarten Stuckaturen verziert, die dem 1731 in Nürnberg geborenen Stuckator Joh. Michael Berg zuzuschreiben sind, der auch die Pfarrkirchen von Berching und Sulzbürg stuckierte. Sein Bruder Joh. Jakob Berg war als Hofstuckator in Eichstätt, Schloss Hirschberg und Plankstetten tätig. Seit der letzten Renovierung ist die Farbgebung, die früher weiß auf zartrosa Grund war, in Weiß auf hellgrauem Grund gehalten.

Auf dem großen Kuppelgemälde ist die Verherrlichung der "Drei Elenden Heiligen" im Himmel dargestellt. Dort schweben sie inmitten zahlreicher Ordensbrüder in Wolken über der Erde, die durch eine Landkarte Europas und des Nahen Orients symbolisiert ist. Unten rechts nennt sich der Maler Johannes Adam Fux Maller Feccit 1750 selbst.

 

 

Deckengemälde im Langhaus: Verherrlichung der Drei Elenden Heiligen von Johannes Adam Fuchs, 1750

 

Weitere Fresken im Kirchenschiff zeigen Szenen aus dem Leben der drei Heiligen, wie den Abschied von Irland (nicht Schottland, s. v.), die Überfahrt zum Kontinent, die Ankunft in St. Jakob, den Abschied vom Kloster, den Aufenthalt in Einsiedel, den Tod des hl. Marinus, die Erhebung der Gebeine 1689, Hinweise auf ihre Wundertätigkeit sowie eine Abbildung der alten und der neu erbauten Wallfahrtskirche.

Auf einem Fresko ist als Zeugnis für die überregionale Verehrung der "Drei Elenden Heiligen" von Griesstetten die Heilung der Prinzessin Violanta von Bayern dargestellt. Dies geht auf einen Bericht zurück, der 1694 vom Rektor des Jesuitenkollegs in Regensburg niedergeschrieben wurde, "dass nämlich Ihre Durchlaucht, die Schwiegertochter des Großherzogs von Toskana namens Violanta, Schwester des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, ein unheilbares Geschwür an der Wange gehabt habe und von den Ärzten schon aufgegeben gewesen sei, aber auf ein Gelübde hin, das ihre Mutter Adelheid machte, durch die Fürbitte der drei Elenden Heiligen ohne jede Medizin genesen sei, worauf sie aus Dankbarkeit den Altar der drei Heiligen in der Kirche zu Griesstetten errichten ließ."

Erst bei der Renovierung 1983 wurde das Deckenbild im Chorraum, auf dem St. Martin den Mantel teilt, wieder freigelegt. Ebenso waren die drei Fresken an der Emporenbrüstung bis zur letzten Renovierung übertüncht. Hier ist in der Mitte die Muttergottes mit dem Jesuskind zu sehen, links das Sterben des hl. Marinus, rechts "Der Leichnam des Heiligen schwimmt flussaufwärts", im Hintergrund das Schottenkloster Regensburg.

 

 

Blick durch den Kirchenraum nach Westen zur Orgelempore

 

Die sechs Säulen des Hochaltars rahmen die holzgeschnitzte Reiterstatue des hl. Martin auf dem Pferd ein, der vor den Toren der Stadt Amiens mit dem Bettler seinen Mantel teilt. Das Bild wird durch die Kulissenarchitektur im Hintergrund belebt.

 

 

Der hl. Martin vom Hochaltar

 

Ohne Säulen und nur aus Rocailleranken aufgebaut sind die Seitenaltäre. Der rechte ist mit einer holzgeschnitzten Marienstatue geschmückt, der linke ursprünglich dem hl. Märtyrer Venantius geweiht. In seiner Mitte befinden sich die holzgeschnitzten Halbfiguren der drei irischen Mönche aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Marinus, der ehemalige Prior von St. Jakob in Regensburg, hat ein Buch in der Hand, während die beiden anderen als irische Wandermönche dargestellt sind. Die Jakobsmuscheln an ihren Schultern deuten darauf hin, dass sie schon als Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostella in Spanien unterwegs waren.

 

 

Der südliche Nebenaltar, der Maria Immaculata geweiht

 

 

Halbfiguren der Drei Elenden Heiligen Marinus, Vimius und Zimius am Nebenaltar des hl. Venantius

 

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden die reich geschmückte Kanzel und die beiden mit einfachen Intarsien versehenen Beichtstühle. Aus der alten Kirche stammt noch der links vom Eingang stehende spätgotische Taufstein, wohl aus dem 15. Jahrhundert, ein ovales Becken auf rundem Fuß ohne jede Verzierung, das halb in die Wand eingelassen ist. Eine spätgotische Sakramentsnische aus Kalkstein, die teilweise verstümmelt ist, hat sich noch in der Sakristei erhalten.

 

Votivbilder

 

An der Rückwand der Kirche bezeugen die zahlreichen Votivbilder das Ansehen, das die "Drei Elenden Heiligen" im Volk genießen, und das große Vertrauen, das die Bewohner der näheren und weiteren Umgebung auf die Fürbitte dieser volkstümlichen Heiligen setzen. Nach den Protokollen im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg wurde sowohl beim Neubau der Kirche als auch bei der Konsekration 1836 eine große Anzahl von Votivbildern verbrannt. Viele sind auch noch im 20. Jahrhundert verschwunden. Die jetzt noch vorhandenen stammen überwiegend aus der Zeit von 1860 bis 1910.

Fast alle Votivbilder zeigen die "Drei Elenden Heiligen", meistens halbfigürlich, auf einer Wolke abgebildet. In der Mitte steht Marinus mit Buch und Rosenkranz, rechts meist Vimius mit braunem oder grauem Pilgergewand und grünfarbener Pelerine, während Zimius meist eine weiße Pelerine trägt.

Das älteste der Bilder entstand im 17. Jahrhundert, als Maria Anna Franziska Freifrau von Muggenthal es für die wunderbare Gesundung ihrer neun Jahre alten Tochter in "schültihister Dankhsagung" fertigen ließ.

 

 

Votivbilder unter der Orgelempore

 

Seelsorge in Griesstetten

 

Bis 1633 war die Seelsorge für die Bewohner von Griesstetten und die Betreuung der Wallfahrer den Mönchen aus dem Kloster St. Jakob in Regensburg anvertraut. Von 1651 bis 1714 versorgten die Pfarrer der umliegenden Ortschaften Zell, Eggersberg, Dietfurt und Mühlbach die Wallfahrtskirche. Im Jahr 1714 gründete das Kloster St. Jakob ein kleines Priesterseminar im Meierbauernhof neben der Kirche unter der Leitung von Pater Bernhard Baillie als "Seminarii Griesstettensis Director".

Ab 1719 übernahmen die Pfarrherren von Mühlbach die Seelsorge, ab 1762 dann die Patres vom Franziskanerkloster Dietfurt.

Seit 1806 ist Griesstetten eine Filiale der Pfarrei Altmühlmünster, wobei sich seit 1832 in Stellvertretung des dortigen Pfarrers ein Pater des Franziskanerklosters Dietfurt um die Seelsorge kümmert.

 

                      

 

Die Wallfahrtskirche Griesstetten in der Darstellung eines Stiches aus dem 19. Jahrhundert

 

 

Nach Franz Kerschensteiner, Wallfahrtskirche Griesstetten; Schnell, Kunstführer Nr. 743; 3. neu bearbeitete Aufl. (Regensburg 2001)

 

 

ANHANG

 

Chronik nach der historischen Predigt vom 02. Juli 1862 -

gehalten bei der feierlichen Wiederbeisetzung der Reliquien der drei Heiligen von Griesstetten bei Dietfurt an der Altmühl

 

(Quellenangaben aus der Predigt sind kursiv geschrieben; fehlt kursiver Text ist die Quelle die Predigt selbst.)

 

508

Frühester Hinweis auf die Entstehung Dietfurts:

Herzog Dieth lässt etliche Steinbrücken bauen, um sein Volk, die Bayern, im Zug gegen die Römer eher über die Altmühl zu führen.

(Aventin schreibt im dritten Buche der Chronik: "Herzog Dieth rüstete sich auf den Zug (wider die Römer) und damit man desto eher über die Altmühl möchte kommen, ließ er etliche Steinbrücken darüber machen, nemlich ober und unter Eychstätt, hießen alle beide Diethfurt, darüber Herzog Dieth gefahren ist, und sein Volk die Beyern darüber geführet hat, als man zehlet von Christi Geburt 508 Jahr.")

 

Hier muss angemerkt werden, dass Aventinus als unsichere Quelle gilt!

 

Hier ist der Link zum ORIGINAL!! :

Aventinus, Johannes / Riezler, Sigmund von / Lexer, Matthias: Bayerische Chronik; Bd. 2. Buch III - VIII, Vorwort, Glossar und Register, Bd. 5, Bayerische Chronik; Bd. 2 Buch III - VIII, Vorwort, Glossar und Register, hrsg. von Matthias von Lexer, München, 1886

 

 

1074

Aus Schottland wandern mehrere edle Männer als Pilger aus, nachdem der Tyrann Macbeth sich mit Gewalt des schottischen Thrones bemächtigt hat und dieses Reich mit Krieg und Mord erfüllt. Nach der Pilgerreise nach Rom kommen sie auf der Suche nach einem Ort, an welchem sie in Ruhe und Sicherheit Gott dienen können, auch in Regensburg an.

(Dieses Jahr der Ankunft der Schotten in Regensburg findet der bayerische Geschichtsschreiber Aventin in den Büchern der Schotten verzeichnet, welche im Kloster Niedermünster zu Regensburg zu seiner Zeit noch vorhanden sind. Nach Thomas Ried, historische Nachrichten von dem Schottenkloster Weyh-St. Peter zu Regensburg. Regensburg 1813. Seite 4-6)

 

1060 - 1089

In Regensburg regiert der Bischof Otto. Er stammt aus der Familie der Grafen Riedenburg. Im Jahr 1064 hat er unter großen Gefahren eine Wallfahrt nach Jerusalem gemacht und seinem Beispiel folgen über 12000 Bayern, - Männer, Frauen und Kinder. Bischof Otto und die Äbtissin Mathilde von Niedermünster nehmen die Schotten auf, "gerührt von ihrem Unglück und erbaut durch ihren heiligen und strengen Wandel".

 

1080

Warum werden die drei Heiligen von Griesstetten die "elenden" Heiligen genannt?

Sie lebten verjagt aus ihrem Vaterland fern von ihrer Heimat, von ihren Eltern, Verwandten und Freunden hier im Elend, in der Verbannung.

Das Wort "elend" bedeutet in der altdeutschen Sprache so viel wie fremd, ausländisch, verbannt. Alle Schottenmönche hießen, als sie nach Bayern kamen exules, peregrini; d. h. aus fremden Landen gekommene.

(Der Lebensbeschreiber des seligen Marianus, des ersten Vorstehers der Schotten in Regensburg, sagt im 3. Kapitel: Sie verließen ihr Hab und Gut, ihre lieben Freunde und Verwandte, stießen freudig das hinfällige Erdengut von sich, um die ewigen Güter dafür einzutauschen und folgten Christus nach über Land und Meer.)

Die ersten Schottenmönche nennen sich selbst: "miseri" oder "elende". So schreibt der erste Vorsteher der Schotten von Regensburg, der selige Marianus in  einem seiner Bücher vom Jahre 1080: "Mariani miseri, Domine, miserere", d.h. des "elenden" Marian erbarme dich, o Herr!

Auch sein  Schüler Johannes schreibt: "Heilige Maria und alle Heiligen bittet bei Christus pro misero Joanne für den "elenden" Johannes."

(Ried, Nachrichten vom Schottenkloster St. Peter; Seite 5).

Der Chronikschreiber Marian, auch ein solcher Schotte, schreibt beim Jahre 1050: "Ego, miser Marianus fui natus, ich der "elende" Marian, bin in diesem Jahre geboren."

 

1089, 1. Februar

König Heinrich IV. stellt den Schottenmönchen einen Schutzbrief aus, in dem er sagt, diese Schotten seien aus ihrem Vaterland gezogen, "um ihr Fleisch zu kasteien und ihre Seele zu retten".

(Der Schutzbrief findet sich in den Monumentis boicis Band 29 Seite 209.

Der Chronikschreiber Marianus, der selbst ein Schotte war und im Jahr 1086 gestorben ist, berichtet im dritten Buch seiner Chronik beim Jahr 1061, dass man die Schottenmönche damals schon heilige Männer nannte.)

 

1120

Das große Kloster St. Jakob bei den Schotten wird von Bischof Hartwich I. eingeweiht. Der Bau war notwendig geworden, nachdem das Klösterlein der Schotten, welches ihnen einige Regensburger Bürger bei der Kirche St. Peter erbaut hatten, durch die große Zahl ihrer nachfolgenden Brüder zu klein geworden war.

Gründer des Schottenklosters St. Jakob waren die Grafen Otto und Heinrich III., Brüder aus Riedenburg, die den Schotten viele Güter in der Gegend von Riedenburg schenkten, zum Beispiel bei Griesstetten, bei Vogelthal, Dietfurt, Jachenhausen usw..

 

1140 (um)

Abt Christian errichtet im Chor der Kirche von Griesstetten die Gräber der drei elenden Heiligen.

 

1213, 16. Februar

Kaiser Friedrich II. verfasst einen Schutzbrief, in dem der Hof "Ansiedel" (heute Einsiedel) als altes Eigentum der Schotten von St. Jakob erwähnt wird.

(Der Schutzbrief ist in den Monumentis boicis Band 30 Theil 1 Seite 7 zu lesen.)

Die Tätigkeit der Schotten für die Kultur des Landes ergibt sich auch daraus, dass das "Schottengut" in Dietfurt zu den ältesten Häusern dieser Stadt gehört.

(Mayer, das Landgericht Riedenburg)

Die ältesten Anwesen in Dietfurt waren der Schottenhof (Mühlbauer), das Krainergut, das Pfenninggut (zur Zeit der Predigt eine Hufschmiede), das Lintlgut, Ruitlgut, Sonnengut, Kleegut.

(Geschichte der Stadt Dietfurt von Benedict, Abt in Weltenburg.)

 

1633

Beim Brande im Jahre 1633 wird auch das Pfarrhaus von Griesstetten in Asche gelegt, und der Ordensgeistliche muss sich flüchten.

 

1651 - 1714

Die Pfarrer von Mühlbach, Dietfurt und Zell versehen abwechselnd die Pfarrei Griesstetten.

 

1689

Der Administrator des Bistums Regensburg, Weihbischof Albert Ernst, Graf von Wartenberg, verfasst nach den alten Aufschreibungen des Schottenklosters St. Jakob in Regensburg einen Bericht und sendet diesen an die Bollandisten.

(Die Legende der drei elenden Heiligen ist ein Auszug aus diesem Bericht und steht bei den Bollandisten im zweiten Band des Monats Juni Seite 596ff.)

 

1689, 12. Juni

Der Regensburgische Weihbischof Albert Ernst erscheint an diesem Tage in Griesstetten, begleitet von Placidus, dem Abt von St. Jakob, und eröffnet unter Beziehung des Pfarrers Joh. Dobler und seines Vorfahrers Joh. Baur, damaligen Pfarrers von Jachenhausen, dann des Stadtschreibers von Dietfurt, Joh. Fackler, und mehrerer anderer Personen, die im Chore der Kirche befindlichen Gräber der Heiligen an derselben Stelle, wo sie vom Abte Christian (um das Jahr 1140) errichtet worden waren, erhebt die Gebeine und verschließt sie in einem hölzernen Reliquienkasten, welcher in einer Mauernische beigesetzt wird.

Hier sind sie mit Ausnahme einer kurzen Zeit, in der man sie des Krieges halber nach Dietfurt flüchtete, verblieben, bis sie in die drei neuen und sehr schönen Reliquienbehälter gefasst und nach erhaltener Erlaubnis des hochwürdigsten Herrn Bischofes Ignatius von Regensburg in der nämlichen, aber vergrößerten Mauernische in einem Heiligenschrein wieder beigesetzt wurden.

 

1694

Prinzessin Violanta, die Schwester des bayerischen Kurfürsten Max Emmanuel, des Siegers von Belgrad, findet nach ihrer Fürbitte an die drei Heiligen von ihrer von den Ärzten als unheilbar erklärten Krankheit augenblickliche Genesung, worauf sie aus Dankbarkeit den Altar der drei Heiligen in der Kirche von Griesstetten errichten lässt.

(So berichtet der Rektor der Jesuiten-Collegiums zu Regensburg in einem Brief vom 10. März 1664 an die Bollandisten.)

 

1714

Die Schotten errichten ein kleines Seminar in Griesstetten, ihre Geistlichen übernehmen die Seelsorge.

 

1719 - 1762

Die Pfarrer von Mühlbach erhalten die Seelsorge in Griesstetten wieder.

 

1762 - 1806

Die Franziskaner in Dietfurt versehen die Pfarrei Griesstetten mit Ausnahme der Jahre 1790 bis 1794.

 

1806

Griesstetten wird provisorisch der Pfarrei Altmühlmünster zugeteilt, den Franziskanern aber die Seelsorge belassen.

 

1847

Johann Oechsl, Meierbauer, von Griesstetten, schenkt 1200 Fl. zur Fassung der heiligen Gebeine; 300 Fl. werden bei anderen Wohltätern gesammelt.

 

1861

Die erste Fassung der heiligen Gebeine mit Wachsköpfen und modernen Kaseln für die zwei Priester und dem Pilgerkleide für den Laien Vimius, welche durch eine Kunstnäherin von Stadtamhof um 1500 fl. geliefert worden war, wird auf Befehl des Hochwürdigsten Herrn Bischofs Ignatius gänzlich umgearbeitet. Diese Arbeit übernehmen die ehrwürdigen Klosterfrauen von St. Klara in Regensburg nicht bloß unentgeltlich, sondern vollführen sie auch mit einem Fleiß, Kunstsinn und Reichtum, der allgemein angestaunt wird. Die Kaseln sind nach dem Schnitte, der zur Lebenszeit der drei Heiligen gebräuchlich war. In der Brust einer jeden Figur ruhen die heil. Gebeine in einem Sarge von Zink, diese drei Särge sind mit seidenen Schnüren und dem bischöflichen Siegel verschlossen; zu Haupten einer jeden Figur ist die gedruckte Authentik.

 

1862, 2. Juli

Etwa 9000 Menschen begleiten die Prozession der Reliquien der drei "elenden" Heiligen von der Franziskanerkirche in Dietfurt zur Wallfahrtskirche Griesstetten. Neben den Pfarrgemeinden Dietfurt und Griesstetten nehmen die Gemeinden Hainsberg, Mühlbach und Töging mit eigenem Kreuz teil.

Die Reliquien des Hl. Marinus werden von den Kleriker-Novizen und Laienbrüdern des Franziskanerklosters getragen, die des Hl. Zimius von Jungfrauen in weißen Kleidern und die die des Hl. Vimius von Jünglingen der Stadt Dietfurt.

 

 

Feierliche Prozession zur Übertragung der neu gefassten Reliquienschreine der Drei Elenden Heiligen am 2. Juli 1862

 

 

Fotos: Roman von Götz, Regensburg

 

 

Die Predigt vom 2. Juli 1862
Hier ist der Predigttext im Original zu haben!
weitere Informationen .pdf (2,33 MB)



 
     
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