Schmuckstücke nach bronzezeitlichen Vorbildern
Der erste Blick auf das noch dampfende Metallstück ist enttäuschend genug. Hässlich grau, verdreckt und unförmig liegt der Klumpen in der Gussform und fransige Metallnadeln stehen davon ab. Nur wenige Minuten zuvor erst war die 1000 Grad heiße, rotglühende, dünnflüssige Bronze in den Einfülltrichter gegossen worden und schon ist sie starr. Ein paar Stunden später wird der vormalige Klumpen als goldig glänzendes, filigranes Schmuckstück im Jahrtausende alten Design den Hals von Helga Loré zieren. Die Frau weiß, dass zwischen dem rohen Gussstück und dem fertig funkelnden Anhänger noch viel Polierarbeit auf sie wartet. "Es ist ein spannendes Gefühl, wenn man das erste selbstgefertigte Bronzeschmuckstück in Händen hält", sagt die Teilnehmerin am ersten Bronze-Gießkurs auf dem Alcmona-Gelände an der alten Schleuse bei Dietfurt. Acht weitere Frauen und Männer sind gekommen, um sich nach der Anleitung von Christian Frey in die uralte Kunst der Erzverarbeitung einweihen zu lassen. Eigentlich wollte der die Bronze in einer offenen Esse schmelzen. Doch der Regen zwingt ihn dazu, seinen Elektroofen in der bronzezeitlich konstruierten Holzhütte anzuheizen. Das Metallgemenge aus grundsätzlich 90 Prozent Kupfer und zehn Prozent Zinn, das einer ganzen menschlichen Epoche seinen Namen gab, hat es dem Autodidakten angetan. Zur Schmuckherstellung gibt er ein Prozent weniger Zinn ins Kupfer, um die Legierung geschmeidiger zu machen. Gerne teilt er sein Wissen und gibt den Kursteilnehmern praktische Tipps. Erst einmal aber lässt er sie die Motive für die späteren Werkstücke aus mitgebrachten Vorlagen aussuchen. Danach dürfen die angehenden Metallkünstler ihre Wunschformen auf dünne Platten aus Feilwachs übertragen und zu grazilen Rohformen sägen, feilen und schmirgeln. Schließlich soll das fertige Schmuckstück mal genau so aussehen wie das wächserne Gießmodell. Entsprechend viele Stunden investieren die Schmuckdesigner in ihre Werke, um die Oberfläche des Werkstücks zu polieren. Der Guss ist dagegen nur eine Angelegenheit von wenigen Sekunden, nachdem das Profil des Models in die Gießform aus ölvermengtem Sand geprägt wurde und Abzugslöcher für die heiße Luft gestochen sind. Nicht jeder Guss erfüllt die Erwartungen. Mal ist eine Verunreinigung enthalten, die in der Hitze unerwünschte Blasen wirft oder das Ösenstück für das Halsband ist nicht dick genug ausgefallen und so bleibt jedes Öffnen der Gussform spannend. Bianca Binder und ihr Mann Markus sind eigens aus Straubing gekommen, um sich Gewandfibeln nach einem merowingischen Fundstück aus Ingolstadt zu gießen. Das junge Ehepaar ist Mitglied einer Historiengruppe und will sich auf diese Weise den Blick in die Vergangenheit erschließen. "Heutzutage kann man alles kaufen, aber ich will den Ursprung sehen", erklärt Bianca. Ihren Mann hat ebenfalls die Passion für Geschichte zum Kurs gebracht. "Dieses akribische, geduldige Arbeiten ist zugleich eine Entschleunigung aus der heutigen Hektik", erklärt der Produktmanager für Computer. Auch dem Kursleiter Christian Frey macht die Arbeit mit seinen Eleven Spaß. "Die Leute sind alle sehr interessiert und engagiert bei der Sache. Manche Kollegen machen ein großes Geheimnis aus ihren Gießkünsten, aber ich freue mich über das Interesse der Leute und helfe ihnen gerne", umschreibt er seine Aufgabe. Für Friedrich Loré, den Archäologen und Vizevorsitzenden des Vereins Alcmona, hat der Kurs eine ganz besondere Bewandtnis. "Das Interesse der vielen Leute zeigt, dass der Weg, den wir vor zehn Jahren beschritten haben, nicht verkehrt war", sagt er. Er erkennt dabei auch das Interesse vieler junger Menschen, die trotz aller aktuellen Verführungen wieder nach tieferem Sinn und den Wurzeln ihrer Geschichte suchen.
Text Lorenz Erl











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